Interessanter Artikel

Ich habe gerade in der englischen Version von Haaretz einen interessanten Artikel gefunden, warum Israel den Kampf gegen Hizbollah gewinnen muss:

Analysis

Ich hoffe ganz ehrlich, dass der Artikel Unrecht hat. Denn er sagt auch, dass der Frieden mit Aegypten und Jordanien gefaehrdet sei, sollte Israel diesen Kampf nicht gewinnen.
Da ich aber nicht moechte, dass die Kaempfe im Norden immer weiter gehen, muss dieser Artikel Unrecht haben. Denn wenn er Recht hat, gibt es keine Alternative, als im Suedlibanon solange zu kaempfen, bis die Infrastruktur der Hizbollah komplettt zerstoert ist, oder zumindest, bis die Hizbollah sich aus dem Suedlibanon fortbewegt. Das koennte aber Monate dauern und noch viele Menschenleben auf beiden Seiten fordern…

Friseurbesuch

Da ich morgen Nacht nach Deutschland aufbreche, musste mein Freund mich heute unbedingt zum Friseur schleppen. So kann ich meinen Eltern dann Freitag zeigen, was fuer einen tollen Freund ich habe… obwohl ich den Friseurbesuch natuerlich selbst bezahlt habe (-:
Ist ja eigentlich ganz suess gemeint.

Fuer den Friseurbesuch fuhren wir heute nachmittag direkt nach der Arbeit nach Beit Jala. Zum einen ist es dort einfach billiger als in Jerusalem. Ich habe fuer faerben, schneiden und foehnen insgesamt ca. 25 Euro bezahlt. In Israel waere es mindestens das doppelte gewesen!
Zum anderen war ich schon zwei mal zuvor bei dem gleichen Friseur. Und er schneidet einfach super.

So fuhren wir also am Nachmittag nach Beit Jala. Wenn man sich langsam der Bethlehem Kreuzung naehert, nehmen die Haeuser an den Strassenseiten immer mehr ab. Stattdessen nehmen die Olivenbaeume immer mehr zu. Ganze Felder saeumen die Strasse nach Bethlehem. Grosse, stattliche Olivenbaeume, die sicher schon einige Jahre hinter sich haben, heben sich dunkelgruen von den staubig gelben Feldern ab. Jetzt, im Hochsommer, ist alles Gras verdorrt. Gelb und grau praesentiert sich die Umgebung dem Betrachter. Nur die Olivenbaeume bieten mit ihrer gruenen Farbe etwas Abwechslung, obgleich auch sie von einer feinen Sand- und Staubschicht ueberzogen sind. Somit leuchtet ihr Gruen auch nicht, sondern wirkt eher staubig und muede.

Die Olivenbaeume sind fuer die Palaestinenser ein Wahrzeichen. Ihr Oel ist ebenso wie die Oliven fuer viele die Grundlage ihres Lebens. Viele von ihnen leben vom Anbau der Oliven. Olivenbaeume koennen sehr alt werden und sind ihren Besitzern sehr treu. Immer wieder bringen sie die kleinen gruenen Fruechte hervor, die so gehaltvoll sind. Ausserdem sind sie perfekt dem Klima angepasst und kommen im Sommer fast ohne Wasser aus.
Viele arme Familien ernaehren sich sogar mehr oder weniger nur von Oliven und Brot. Wer diesen Familien ihre Olivenbaeume nimmt, nimmt ihnen daher auch ihren Lebensunterhalt.

Fuer mich ist die Fahrt von Jerusalem nach Bethlehem immer wieder ein Erlebnis. Ich liebe es, aus dem Fenster zu schauen und die Landschaft an mir vorbeiziehen zu lassen. Ich beobachte, wie langsam israelische Haeuser von arabischen ersetzt werden. Gleichzeitig gibt es immer mehr Natur. Schon deshalb lohnt sich die Fahrt nach Bethlehem.

Auch heute hat der Friseur wieder ganze Arbeit geleistet. Er hat es doch tatsaechlich geschafft, mich interessanter, huebscher und ja, sogar juenger aussehen zu lassen.
Ich wuerde ihn jederzeit weiterempfehlen…

Samstag Abend

Leise hat sich der Abend angekuendigt. Nun ist er in milder Kuehle in der Stadt eingetroffen. Ich giesse auf dem Balkon meine Blumen, von der Sommerhitze matt und muede wie die Menschen. Begierig saugt die trockene Erde das willkommene Nass auf.
Hinter den Toren der Altstadt leuchtet in gruenen Neonfarben ein Minarett zu mir herueber. Ich lausche dem Tellerklappern der Nachbarn, die den Shabbatausgang feiern. Gegenueber im Erdgeschoss hoere ich die orthodoxe Familie beten. Eine neue Woche beginnt. Und so begruesst man sich nun mit den Worten „Shavua tov“ – „Eine gute Woche“.
Der Kater hat sich auf dem Bett zusammengerollt und schlaeft. Wahrscheinlich traeumt er von Abenteuern. Jenen, die er bereits erlebt hat, oder jenen, zu denen er nun bald aufbrechen wird in die kuehle Nacht.
Am dunklen Himmel glitzern Sterne. Ein leichter Wind weht und laesst mich froesteln.
Mit einer Strickjacke ueber den Schultern geniesse ich die Ruhe und Stille in meinem Viertel und hoere dem Muezzin zu, der zum Gebet ruft. Beharrlich schallen die „Allahu Akbar“ – „Gott ist groesser“ Rufe zu mir herueber.
Irgendwo bellt ein Hund. Zwei Strassenkatzen kaempfen im Garten des Nachbarn einen wilden Kampf, der im Sieg der einen ueber die andere enden wird. Wenigstens fuer diesen Abend.
Wasser plaetschert aus einem Sprenkler auf den kuemmerlichen Rasen und die sorgfaeltig gepflegten Blumen. Der Feigenbaum stroemt einen suessen Geruch nach reifen Fruechten aus, der sich mit dem zarten Duft meines geliebten Jasmins vermischt.
Mit einem Glas schweren roten Weins aus den Golanhoehen verabschiede ich mich in Frieden von diesem Tag.