Ramaddan 2006

Unten habe ich ueber den Ramaddan vor zwei Jahren berichtet. Damals gab es keine Touristen in der Stadt. Die Intifada war in vollem Gange. Polizisten haben die Altstadt regelmaessig auch im Fastenmonat abgeriegelt. Zwei Jahre spaeter liegt die Intifada auf Eis. Trotz des Libanonkrieges gibt es wieder Touristen in der Stadt. Wegen der Herbstferien herrscht Hochsaison. Und tatsaechlich begegnet man ueberall Pilgergruppen. Es sind nicht die Zeiten von 1998. Dennoch, es ist schoen, zu wissen, dass die Touristen zurueck sind. Denn die Stadt lebt von ihnen.

Da ich Urlaub hatte und keinen Zugang zum Internet, habe ich einige Erlebnisse aufgeschrieben. Darunter auch eins ueber den Ramaddan. Aber diesmal aus Ramallah:

Es ist Samstag, der erste Tag im Ramaddan. Meine Schwester und ich sind bei einer Freundin in Ramallah. Gestern Abend sind wir angekommen. In Ramallah herrscht bereits Winterzeit, sie verkuerzt das Warten bis zum Fastenbrechen. So haben wir gestern Abend eine Stunde eingespart. Wenn wir heute Nacht nach Jerusalem zurueckkehren, werden wir sie jedoch wieder verlieren.

Wir haben gut gefruehstueckt heute Morgen, da wir auf Grund des Ramaddan in der Stadt weder essennoch trinken koennen. Das gebietet auch der Respekt. Jetzt sind wir auf dem Weg zur Muqatta, dem Regierungssitz, wo auch Jassir Arafat begraben liegt. Wir besuchen das Grab, auf dem ein riesiger Betonrohbau steht, der spaeter das Mausoleum sein wird. Davor befindet sich ein aufgeschlagenes Buch aus Stein mit einer Grabinschrift, ein Foto von Jassir Arafat und Blumen. Hier also liegt der Nationalheld der Palaestinenser begraben.
Terrorist, Staatsmann, Friedensnobelpreistraeger, der Millionen von Geldern auf private Konten geschafft hat, aber auch fuer sein Volk jahrelang unter Hausarrest wie im Gefaengnis gelebt hat. Meine Gefuehle fuer diesen Mann sind zwiespaeltig. Und ich weiss, dass es vielen Palaestinenser aehnlich geht.

Spaeter rennen wir ca. 1 Stunde vor Fastenbrechen durch die Stadt und kaufen Datteln, Saft, Gemuese und Huhn ein. Wir haben einen muslimischen Freund zum Iftar eingeladen und wollen kochen. Jetzt wissen wir, wie sich arabische Frauen kurz vor dem Fastenbrechen fuehlen. Wir sind im Stress. Die meisten Geschaefte sind bereits geschlossen. Doch wir brauchen unbedingt noch „Katayef“, fritierte Teigtaschen, die mit Nuessen oder suessem Kaese gefuellt sind, und die es so gut nur im Ramaddan gibt. Dann schmecken sie einfach am besten.

Am Ende ist alles geschafft, und auf dem Tisch tuermen sich frische Datteln, Dattelsaft, Wasser, Salat, Hummus, frisches Pitabrot, gebackenes Huhn und ein riesiger Topf Maqlubeh zum Fastenbrechen.

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