Checkpoint Bethlehem

Gestern habe ich das erste Mal den Checkpoint nach Bethlehem zu Fuss ueberquert.
Mit dem Auto ist das Ganze recht unkompliziert, auch wenn man zu Stosszeiten manchmal lange warten muss.

Zu Fuss sieht das ganze etwas anders aus:
Ich stieg aus dem Bus und folgte einer Menge Palaestinenser, die offensichtlich alle in Ostjerusalem arbeiten und dort vor allem die Drecksarbeiten erledigen, das war an ihrer Kleidung eindeutig erkennbar.
Man geht dort einen Weg hoch und steht dann vor dem Eingang des Checkpoints. Ein Soldat laesst immer nur wenige Personen eintreten, der Rest draengt sich ungeschuetzt in der Kaelte (Ich war froh, dass es nicht regnete). Drinnen gibt es fuenf Schalter zur Abfertigung, doch offen war trotz der Menschenmenge nur einer. Durch diesen mussten alle durch, auch von der anderen Seite. Es herrschte ein heilloses Gedraengel. Eine muerrische Soldatin sass hinter dem Schalter und liess sich IDs und Permits zeigen. Gab es ein Missverstaendnis, meckerte sie los, natuerlich auf Hebraeisch. Einige Araber verstanden sie nicht und waren recht ratlos, bis ihnen jemand das Hebraeische uebersetzte.
Auf der anderen Seite fuehrte ein vergitterter Gang durch die Mauer und ein weiterer vergitterter Gang an der andern Seite der Mauer entlang auf die Bethlehemer Seite. Ich kam mir ein bischen vor wie auf einem Schlachthof, wo das Vieh zusammengetrieben wird.

Doch eine positive Erfahrung machte ich dennoch: Als Frau liessen die arabischen Maenner mich vorgehen, damit ich nicht im Gedraenge und der Kaelte warten musste. Nun weiss ich von arabischen Freunden, dass dies nicht meine blonden Haare sind, sondern tatsaechlich einfach die Tatsache, dass ich eine Frau bin. Eine nette Geste in so einer machoistischen Gesellschaft.

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13 Gedanken zu “Checkpoint Bethlehem

  1. Na aber Hallo…ich lasse auch Frauen vor, nur nicht an solchen Punkten. das aber liegt alleine daran, dass es bei uns solche Points nicht gibt, zum Glueck…

    Aber es erinnert mich an das Tuerksiche Generalkonsulat in Stuttgart. Da duerfen nur drei rein, der Rest wartet draußen, egal, ob es stuermt oder schneit bzw. 40 Grad hat.

    Frauen durefen aber dort nicht als erstes rein, auch nicht als zweites. Wohl nur, wenn sie alleine da sind…

    Die jungen Tuerkinnen ohne Kopftuch und modernster Kleidung werden heftig geschnitten, vom Durchschnitt der Menge.

    Aber es ist natuerlich nicht vergleichbar, da Frieden und Polizeischutz nonstop.

    Den Weg, den du beschreibst, also Vieh zum Schlachter, so muessen sich wohl auch die Juden im 3. Reich vorgekommen sein, ein schrecklicher Gedanke…

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    1. Da ehrt Dich 🙂

      Ich denke, die Juden haben sich im 3. Reich noch viel schlimmer gefuehlt, denn sie sind wirklich zum Schlachter gegangen.
      Was mir bis heute unbegreiflich ist, ist, dass viele sich ueberhaupt nicht gewehrt haben.
      Wenn ich doch weiss, die erschiessen mich eh, wieso schaufel ich dann noch mein eigenes Grab?
      Das ist etwas, dass ich wohl nie verstehen werde…

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  2. Irgendwie sind die Grenzen in aller Welt gleich. Beamte, die sich durch „mürrisches“ Auftreten Respekt verschaffen und Kontrollen die an Demütigung reichen. So habe ich zu Anfang auch die Grenzkontrollen (mit dem Auto) in die Ukraine erlebt. Aber das ist lange her und heute ist man dort schneller und freundlicher. Das Verhältnis zwischen Israel und Palestina ist natürlich „besonderes“ gespannt. Israel lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Eine endlose Geschichte.

    Liebe Grüße aus dem Münchner Outback!

    :wave: tapatapatu

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    1. Gib Menschen eine Uniform, eine Aufgabe, Waffen und Macht. Es ist unglaublich, wie sie sich verändern.

      „Das Experiment“ ist ein sehr interessanten Film zu diesem Thema. Daß es so oder ähnlich auch in der Praxis funktioniert, hat man zuletzt in Abu-Ghraib gesehen.

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    2. Klar sind Beamte an der Grenze oft muerrisch. Aber zumindest koennte man ja einen zweiten Schalter aufmachen, das wuerde schon viel aendern. Und so gaenge mit Eisengattern sind auch nicht normal. So etwas habe ich noch nie erlebt, auch nicht in Aegypten oder Jordanien…

      Liebe Gruesse zurueck :wave:

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  3. zitat bandora: ‚Ich kam mir ein bischen vor wie auf einem Schlachthof, wo das Vieh zusammengetrieben wird.‘

    annika, musst du wirklich im kontext des nahost-konfliktes solch eine metapher verwenden???
    du weißt doch selbst am besten, dass dadurch geistig unterbelichtete user ganz schnell aus der kloake gekrochen kommen und in diversen foren dann sätze wie ‚die juden sind schlimmer als die nazis‘ oder ‚die juden verüben einen holocaust an den palästinensern‘ oder … propagieren.

    [sorry, annika, aber diese kritik konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.]

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    1. Wenn Du den Checkpoint kennen wuerdest, wuerdest Du Dir auch so vorkommen. Ich kann Deine Kritik verstehen, aber diese Personen lesen meinen Blog ohnehin nicht. Und ich wollte einfach nur beschreiben, wie es dort aussieht. Denn auch ich habe das ja jetzt erst gesehen, da ich normalerweise dort nicht zu Fuss ruebermuss.

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  4. Das ist ja wohl von den Israelis so gewollt, bzw ist ihnen schlichtweg egal, dass es ein Gedrängel gibt und auch nur ein Schalter offen ist. Ist ja auch nicht in derem Interesse, dass es gut läuft.

    Ist nicht schön, was du da beschreibst, man bekommt wirklich beklommene Assoziationen.

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