Bamba oder Erdnussflips

Manche Fragen stellen sich einem gar nicht erst. So war das auch, als ich in Israel das erste Mal Erdnussflips aß. Erdnussflips kenne ich seit meiner Kindheit. Wie wohl die meisten Deutschen. Generationsübergreifend. Nun ist das nichts besonderes.

–Dachte ich zumindest –

Ernussflips gehören zum Alltag. Kein Kindergeburtstag ohne Erdnussflips. Fernsehabende zu Hause, bei Freunden, bei den Großeltern. Ausflüge, Sommerbad, für den Hunger zwischendurch. Man isst sie, oder auch nicht. Der eine mag sie, der andere nicht. Wie Haribo oder Coca Cola. Wo Erdnussflips herkommen? Ist das wichtig? Nein, warum auch. Wahrscheinlich aus Amerika, wie so vieles ungesundes.

–Dachte ich zumindest –

(Anmerkung des Autors: So ungesund sind sie gar nicht, aber dazu später bei Bedarf mehr)

Dann war ich das erste Mal in Israel. Und aß eben Erdnussflips. Warum auch nicht? Ist ja normal. Und dann kommt der Kommentar:

Schmeckt Dir Bamba?
Bamba? Ach so, die Erdnussflips. Ja, klar. Sonst würde ich sie ja nicht essen…
Toll, was? Hast Du bestimmt noch nie gegessen, oder?
Doch, seit ich klein bin…
Das kann nicht sein. Bamba gibt es nur in Israel!
Nein, ich sagte doch bereits, die esse ich, seit ich klein bin.
Das ist nicht dasselbe. Bamaba gibt es nur in Israel!

Wie oft schon habe ich das jetzt gehört. Und keiner glaubt mir, dass es Bamba auch in Deutschland gibt. Nur, dass sie von Bahlsen sind, und nicht von Osem. Und dass sie eben Erdnussflips heissen. Und nicht Bamba.
Nur eine Tüte deutsche Erdnussflips kann die Behauptung widerlegen, dass es Bamba nur in Israel gibt. Schwierig, wenn man sich in Israel befindet.

Nun, letzten Montag, also genau vor zwei Tagen, ausgerechnet, als ich mit einer Gruppe Israelis im Autobus in Jordanien unterwegs bin, findet sich ein offener Zuhörer, der mir glauben will. Ja, sage ich, ich habe 1999 in Deutschland einem Israeli eine Tüte Erdnussflips gegeben. Und endlich, nachdem er sie gegessen hat, hat er mir geglaubt.

Wahsinn. Aber, wahrscheinlich haben die Deutschen die Idee kopiert. Oder geklaut. Oder was auch immer.
Tja, wer weiss, kann sein.
Ok, lass uns mal nachschauen. Bei Wikepedia.

Und was kam dabei heraus? Die Erdnussflips wurden in Deutschland im Jahr 1963 das erste Mal produziert. Und sind einzigartig auf der Welt. Beinahe. Nur, dass sie in Israel auch 1963 das erste Mal produziert wurden. Aber von Osem, nicht von Bahlsen.
Israel und Deutschland haben mehr gemeinsam als eine schreckliche Geschichte. Bamba, alias Erdnussflips, alias Bamba gehört dazu…

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Normalität

Normalität

Der Ramadan ist vorbei. Puenktlich mit Shabbatende hat auch das dreitaegige Eid geendet. Heute, am Sonntag, kehrt der Alltag nach Jerusalem zurück. Schon früh morgens kämpfen sich überfüllte Busse durch die Stadt. Im Westen wie im Osten. Araber und Juden versuchen gleichermassen, sich durch den dichten Verkehr der Stadt zu kämpfen, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Heiss brennt die Sonne vom Himmel auf den Jerusalemer Asphalt. Viel zu schnell fahrende Busfahrer zwingen die Busse durch Schlaglöcher und über Strassenschwellen. Die Insassen hüpfen mit den Bussen mit.

Am Strassenrand im Westen drängen sich Rentner mit Einkaufswagen, auf dem Weg zum jüdischen Markt. Im Osten eröffnen die ersten Händler ihre Geschäfte. Wortfetzen ziehen durch die Strassen, hier und dort. Wo sind die Tomaten am günstigsten, wer hat die frischsten Gurken? Und was nur, ja was soll man zu Abendessen kochen?

In der Mittagspause gibt es Falafel in Pita oder Laffa, mit viel Humus und frischem arabischen Salat. Oder war es israelischer? Was macht das schon aus. Es immer derselbe Salat, klein gewürfelte Gurken und Tomaten, ein bischen Zwiebeln, Petersilie, mit einem Dressing aus Zitrone und Olivenöl. Der Name macht keinen Unterschied. Der Koch schon…

Der Feierabend rückt näher. Und immer noch dieselbe Frage: Was wird es wohl zum Abendessen geben?

Es war so furchtbar heiss heute, klagen die Alten. Stimmt, antworten die Jungen. Und zum Abendessen gibt es Wassermelone mit salzigem weissen Käse. Hier wie dort. Im Osten wie im Westen.