Neulich im Bus

Es gibt Situationen, in der ich mich als Deutsche in Israel immer noch unwohl fuehle.

In eine dieser Situationen geriet ich letzten Sonntag:

Gerade fuhr ich im Bus mit meiner kleinen Tochter Richtung neuer Kindergarten. Was freute ich mich darauf, das Kind endlich dort angemeldet zu haben. Der Kindergarten ist zweisprachig – Arabisch und Hebraeisch – und ist ein leuchtendes Beispiel dafuer, wie das gemeinsame Miteinander von Christen, Juden und Moslems in Jerusalem funktionieren kann. Das passt zu mir und meinem Kind.

Im Bus sprach ich – wie immer – in normalem Tonfall Deutsch mit meiner Tochter. Gerade jetzt, nach unserem Urlaub in Deutschland, bin ich besonders darauf bedacht, die neu gewonnenen Deutschkenntnisse der Kleinen zu staerken. Es ist mir wichtig, dass mein Kind Deutsch spricht.

Dann stieg an einer Bushaltestelle ein alter Mann zu. Er blieb direkt an der Tuer stehen, wo wir mit dem Kinderwagen standen. Und auf seinem Unterarm sah ich deutlich und klar die eintaetowierte Nummer…

Den Rest der Busfahrt sprach ich moeglichst leise und fuehlte mich in meiner Haut nicht mehr ganz wohl… Ich gebe zu, ich war froh, als der arme Mann den Bus einige Stationen spaeter verliess.

Ich fuehle mich nicht persoenlich schuldig. Und doch trage ich die Schuld der Deutschen mit. Dies wurde mir wieder einmal bewusst…