Frühlingsträume

Eben gerade glaubte ich weiße Wolken am Himmel zu sehen. Für den Bruchteil einer Sekunde nur war der Himmel von einem anderen, tieferen Blau. Tautropfen hingen feucht in der kühlen Morgenluft. Der Blauregen stand noch in voller Blüte, und sein süßer Duft schwebte verlockend im grünen Garten. Bienen und Hummeln, Frühlingsboten, summten und brummten um die Wette. Verheißungsvoll hörte ich Kinderlachen: Von Erdbeeren verschmierte Münder. Süßer konnte der Frühling kaum schmecken.

Gänsehaut beim ersten Frühstück im Garten. Der Wind strich kühl über meine Haut und ließ mich frösteln. Frische Brötchen türmten sich auf der neuen Tischdecke. Die lilagestrichende Bank glänzte in der Morgensonne. Zitronentee wartete in der kleinen Keramikkanne mit den Entchen auf durstige Kinder.

Am Mittag in der Küche roch es nach Spargel, zerlassener Butter und Rhababerkompott. Tellerklappern auf der Terasse. Dann wurden die weißen Wölkchen grau und der Wind stärker. Ein Blick zum Himmel, ein Schulterzucken. Erste Regentropfen platzen auf die Sonnenblumen der Tischdecke. Ein Donnergrollen aus der Ferne. Hektisches Einräumen von Geschirr und Essen. Während wir den restlichen Spargel am Esstisch einnahmen, kam durch die offenen Küchenfenster der Duft von Regen hereingeweht.

Dann waren die Wolken und der Regen wieder weg.

Ich stehe auf der staubtrockenen Straße, schaue in den blassblauen Himmel und wechsle auf die andere Straßenseite. In den Schatten. Es ist Mitte Mai, und der Sommer ist zurück. In Jerusalem.

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