Krieg und Frieden?

Jetzt ist er doch noch angekommen in Jerusalem, der Sommer. Die Luft ist heiß und trocken geworden, nachdem es die letzten Wochen mild, am Abend sogar recht kühl war. Die feuchte Abendluft und der stetig kühlende Wind sind nun doch der Augusthitze gewichen. Ich hatte mich schon gefragt, wo er wohl bleibt, der Jerusalemer Sommer. Nicht, dass ich die angenehm kühlen Nächte nicht genossen hätte. Der morgendliche Gang zur Bushaltestelle ganz ohne Schwitzen, angenehme 28 Grad.

Und immer wieder Wolken am Himmel. Helle Schönwetterwolken meist. Aber auch dunklere Wolken, Wolken, die in Deutschland Regen verkündet hätten. Und die auch hier zumindest Frische und Schatten spendeten. Dazu der Geruch von Jasmin und reifen Feigen. Zu schön, um wahr zu sein.

Es gibt ein Sprichtwort in der israelischen Tradition: Wenn es im Sommer regnet, dann weint Gott. Er hätte auch allen Grund gehabt zum weinen in diesen Tagen und Wochen. So viele Gründe, dass es vielleicht zu viele waren, um mit heilenden Tränen hinweggespült zu werden…

Und jetzt, gerade zu dem Zeitpunkt, als der zweite Waffenstillstand zwischen Hamas und Israel in Kraft tritt, ist der Himmel wieder blau. Hellblau am morgen, mit einer unbarmherzig strahlenden Sonne. Schon um halb acht ist es heiß. Und trocken. Ist das ein Zeichen? Weiß der Himmel etwas, das wir noch nicht wissen?

Gebet

Oh Herr,
Fülle meine Tage mit Geschäftigkeit
Bis Wüstensand über meine Wünsche weht
und meine Träume bedeckt.

Gib mir keine Zeit zum Denken
Keine Zeit zum Fühlen
Keine Zeit zu Verstehen.

Lass die Zeit vergehen
Lass die Bilder und Gedanken vorüberziehen
Wie dunkle Wolken
An unheilschwangerem Gewitterhimmel.

Oh Herr,
Schenke mir die Gnade der Unwissenheit
Und das Vergessen der Zeit.
Denn ich ertrage es nicht mehr
Zu Sehen…