Nur ein Märchen?

Heute Morgen brachte ich wie jeden Tag meine 4-jährige Tochter in den bilingualen „Peace Kindergarten“ des Jerusalemer YMCA, in den sie geht, seit sie zwei Jahre alt ist.

„Sabah Il Kheir“
„Boker Tov“
„Good morning“

sind bei weitem nicht die einzigen Sprachen, in denen sich hier Eltern, Kinder und Erzieher/innen einen guten Morgen wünschen. Eine Frau mit Kopftuch hält einem Mann mit Kippa, der sein Baby auf dem Arm trägt, die Tür auf, während die Kinder in verschiedenen Sprachen mit einander spielen und lachen.

Sie tun gut, diese zehn Minuten morgens und nachmittags im Kindergarten. Es tut gut, zu sehen, mit welcher Natürlichkeit diese Kinder aufwachen. Für sie es das „Anderssein“ Teil ihres Alltags, Normalität in einer stark gespaltenen Gesellschaft.

Noch sind sie zu klein, um zu verstehen, dass dieses Miteinander in Jerusalem nicht überall normal ist, und sogar von einigen in der Gesellschaft misstrauisch bis ablehnend beäugt wird.

Und doch ist es eben auch Realität in dieser Stadt, Teil eben jener Gesellschaft, die den „Anderen“ so gern ablehnt; aus politischen, religiösen oder Sicherheitsgründen.

Nein, ich bleibe dabei. Es ist kein Traum, kein Märchen, und wir Eltern und Erzieher sind kein Haufen naiver Idioten. Nein, im Gegenteil:

„Wenn Ihr es wollt, bleibt es kein Traum“ – das hat schon Herzl gelehrt!

Advertisements

3 Gedanken zu “Nur ein Märchen?

  1. Leider dürften die Kinderlein früher oder später von der einen oder anderen Seite doch indoktriniert werden, damit der Wahnsinn ewig weiter geht. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt…

    Gefällt mir

  2. Nicht Jerusalem, sondern Hamburg: das Bild am Morgen ist ähnlich. Wobei, eine Kippa findet man hier eher selten. Wir leben in einem sogenannten Brennpunktstadtteil. Als deutsche Familie ohne offiziellen Migrationshintergrund (oder zählt es, dass meine Mutter mit 13 aus Oberschlesien und meine Großeltern väterlicherseits auch „von woanders“ kommen?) könnte man sich hier wohl auch gelegentlich als Minderheit fühlen. Tun wir aber nicht. Meine Kinder spielen ganz selbstverständlich mit anderen Kindern die selbst oder deren Eltern aus allen möglichen Ländern kamen. Mein Kleiner will jetzt auch alle möglichen Sprachen lernen, um mit seinen Freunden auch mal in deren Sprache reden zu können. Fast ist er ein bisschen sauer, dass er „nur“ deutsch kann. Ich finde halt, Mehrsprachigkeit in der Familie geht nur wirklich, wenn die Sprachen zumindest nahezu perfekt gesprochen werden und das kann ich nichtmal für mein Schulenglisch behaupten 🙂

    Meine Jungs sind grundsätzlich absolut unvoreingenommen. Beide fangen aber jetzt durchaus auch mal an, Dinge zu hinterfragen („Warum darf Achmed keine Christen zum Geburtstag einladen? Ich bin ja nichtmal Christ.“, „Warum kann ich mit Yunus nicht türkisch sprechen?“, „Wer glaubt an den besseren Gott, Nikolaj oder Hamsa?“). Hinterfragen ist wichtig und sehr gut, solange sie Antwort möglichst neutral ist. Die Kinder werden groß und bilden sich ihre eigene Meinung, diese Freiheit sollten sie überall auf der Welt haben!

    PS.: Bei der Aussage, das der Papa von XY meint, dass Frauen „schlechter“ sind als Männer und das XY das jetzt auch so sieht, konnte ich dann doch nicht mehr neutral bleiben. Tschulligung 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s