Die Stille am frühen Morgen

Kann man Stille mit Worten beschreiben? Oder stört nicht schon jedes Wort eben diese Stille? Was bedeutet sie überhaupt, die Stille? Ist es die Abwesenheit von Tönen, von jeglichem Geräusch? Oder ist sie nicht vielmehr die Ruhe, die es uns erst ermöglicht zu hören und zu sehen, von sonst überdeckt wird von Lärm und Unruhe des Alltags?

Noch schlafen die Autos in Jerusalem. Leere Straßen warten auf die Fülle der Menschen, die in ihren Betten den Rausch des gestrigen Festes ausschlafen. Das Feuerwerk ist verklungen, der Rauch hat sich verzogen. Doch die Party ruht nur, wartet auf den Moment, von neuem zu beginnen. Bald schon stehen die Grills bereit, bald schon füllen sich Parks und Gärten wieder mit der lärmenden Meute, und die Stadt wird sich in ein Barbecue verwandeln.

Doch hier draußen, auf dem Weg in die Stadt, hat Stille sich breit gemacht – noch. Es ist keine absolute Stille, sondern die, die in Abwesenheit der Geschäftigkeit der Menge entsteht. Jerusalem erwacht an diesem Morgen, dem 68. Geburtstag Israels, schweigend. Wie schön ist der frühe Tag, erfüllt nur vom Rascheln des Windes in den Bäumen und dem Singen der Vögel.
Eine milde Luft weht durch die leeren Straßen. Frühsommerlich frisch, mit der Andeutung der sich anbahnenden Wärme. Das warme Sonnenlicht legt sich golden über die Häuserdächer, ohne die kühlen Schatten zu vertreiben. Die Fester und Türen der Häuser sind geschlossen, die Stadt wiegt sich in friedlichem Schlaf.

Wie gern würde ich diesen Moment festhalten, in meinen Ohren, in meinen Augen, in meinem Herzen. So still, so ruhig, so friedlich kommt Jerusalem daher heute früh. Golden, sanft, umgeben von der Melodie eines späten Frühlingstages. Von Frieden…

Wie kann ich ihn halten, diesen Frieden, der doch nur für einen Moment existiert? In meinen Worten wird er klein, unvollkommen. Und doch, wird so ein Moment – ein bisschen – zur Ewigkeit.

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3 Gedanken zu “Die Stille am frühen Morgen

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