Es könnte so schön sein …

Montag Morgen, 7.30h in den Straßen von Jerusalem:

Noch ist es ruhig in den Straßen von Jerusalem. Es ist Ende August, und ein angenhmer kühler Wind streift durch die Bäume. Die Morgensonne taucht die Stadt in warm goldenes Licht. Vogelgezwitscher springt von Busch zu Busch.
Die Rasensprenkler lassen das Gras im Bell Park grün duftend scheinen, während sich die Sonne in den feinen Wassertropfen spiegelt.

An der Kreuzung Jaffa Straße / Altstadt fährt gerade die Tram vorbei. Auf der breiten Straße begegnen sich die Menschen aus Jerusalem. Die einen hetzen eilig zur Arbeit, Computertasche unter den Arm geklemmt. Die anderen schlendern gemächlich mit einem Pappbecher Kaffee über die Straße. Frauen mit lässig kurzer Kleidung neben traditionell verschleierten Muslima und jüdisch-orthodoxen Frauen mit Perücke. Ein Priester kommt gerade aus dem New Gate und verschindet im French Hospiz, in dem kranke und alte Juden, Muslime und Christen gemeinsam ihre letzten Tage verbringen.

Sehen sie sich überhaupt? Was ist Begegnung? Hier oder da ein flüchtiger Blick, selten neugierig, öfters zweifelnd, meist vorsichtig. Oder aber – in der Mehrzahl – lieber gar nicht schauen, nicht sehen, nicht wahrnehmen.

Jerusalem, eine Stadt, in der sie sich alle begegnen, ist keine multikulturelle Stadt. Soviel könnten wir voneinander lernen. Soviele religiöse Strömungen, soviele Kulturen, soviele Nationen, auf so engem Raum. Aber die Bürger der Stadt bevorzugen es, unter sich zu bleiben.

Es tut weh, dies zuzugeben, aber Jerusalem ist eine segregierte Stadt. Religiöse und sekuläre Menschen, Muslime, Juden, Christen, Menschen aus Ost und West, in dieser Stadt leben sie alle. Und doch leben sie allein, jeder für sich. Sie begegenen sich nicht, sie sehen sich nicht einmal.

Außer vielleicht ein einem frühen Montag Morgen auf den Straßen zwischen Ost- und West. Und wenn sie nur ganz kurz innehalten, stellen sie vielleicht erstaunt fest, dass auf ihren Kaffeebechern dasselbe Logo prangt.

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3 Gedanken zu “Es könnte so schön sein …

  1. Das hat mein alter Chef auch immer gesagt,wenn er einen Kollegen das erste Mal nach Israel schickte. Er sagte dort hilft sich jeder selbst. Es liest sich trotzdem harmonisch (so lange man einander in Ruhe laesst und nicht z. B . seinen Kleidungsstil anderen Frauen aufzwaengt), und ich bin unheimlich neugierig darauf, wie ich das in der Realitaet empfinden werde…

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