Heute

habe ich mich gefühlt, wie in einem Buch von Kafka:

Ich habe um 9.15h einen Termin im Krankenhaus zur Vorbesprechung einer ambulanten Operation (wobei das Wort schon fast zu groß ist, weil es wirklich eine Kleinigkeit ist).

Ich bin viel zu früh. Ich wußte ja nicht, wie der Verkehr sein wird, und bin somit direkt nach Ablieferung der Kinder in Schule und Kindergarten weitergefahren. Großstadtverkehr.

Doch dem größten Krankenhaus der Stadt fehlen die Parkplätze. Ich fahre zu einem Parkplatz, der voll ist, an dem aber ein Schild darauf hinweist, dass es auf der anderen Seite noch einen Parkplatz gebe. Dort dasselbe Schild. Gegenüber ein kostenfreier Parkplatz. Auch hier ist alles voll. Und dazwischen Autos, die so parken, dass man sehr (!) bequem ein- und aussteigen kann. Dafür ist dann die Lücke daneben eben zu klein für ein weiteres Auto.

Nach einer halben Stunde finde ich in einem Wohngebiet einen Parkplatz, der natürlich Geld kostet. Aber nirgends ein Parkautomat. Glücklicherweise erinnere ich mich an eine App, mit der ich das Parken bezahlen und mich auf dem Weg zum Krankenhaus machen kann.

Mein Arzt hatte mich im Krankenhaus angemeldet und mir Bescheid gegeben, dass sie mich anrufen würden, wenn der Termin für die Vorbesprechung stehen würde.

Als ich nun zum Termin ankomme, fehlen als erstes eine schriftliche Überweisung mit der Bestätigung, dass meine Kasse auch zahle. Und schon fängt es an:

„Bitte gehe doch in den 5. Stock und hole Dir dort das Papier. Die stellen es Dir direkt aus.“ Angekommen im 5. Stock heißt es dann: „Bitte erst am Automaten eine Nummer ziehen, sondern können wir nicht mit Dir reden“. – „Der Automat will meine Karte nicht. Was mache ich jetzt?“ – „Na gut, ich rufe Dich gleich auf“.

Gleich ist natürlich relativ im Heiligen Land. Das kenne ich schon und setze mich geduldig auf einen Stuhl im Wartezimmer. Was bleibt mir auch anderes übrig? Ich weiß nicht, wie lange es dauert, bis ich endlich an der Reihe bin. Doch dann, wen wundert es, die nächste Überraschung: „Also, mit der Karte können wir das hier nicht machen. Du musst Dich im 2. Stock melden“.

Ich fahre also mit dem Aufzug in den 2. Stock, steige aus, finde die Beschilderung nicht, irre ein wenig umher, bis mich ein netter Mitmensch aufklärt, dass ich zu Fuss ins alte Gebäude laufen muss. Ich werde also dort bei der Krankenkasse vorstellig, nur um zu hören, dass es hier auch nicht geht. Irgendwann erbarmen sich sich meiner – ich sehe wohl zu verzweifelt aus – und reden mit meinem Hausarzt, der das Dokument dann tatsächlich innerhalb einer halben Stunde gefaxt hat.

Ich mache mich mit der Überweisung auf in den 4. Stock, um eine Akte anlegen zu lassen. Auch das dauert. Warum ich denn keine ID-Nummer habe? Ich gebe stattdessen meine Passnummer an, und am Ende klappt es tatsächlich, und ich halte die Akte in der Hand. Mein Termin ist natürlich seit Ewigkeiten eigentlich schon vorbei. Ich nutze die Gelegenheit und bitte darum, die Nummer meine (Noch) Ehemannes aus der Datei zu löschen, da wir getrennt seien und ich nicht möchte, dass er angerufen wird. Immerhin, das geht mit einem Klick.

Dann mache ich mich auf in den 5. Stock. Oh, so viele Wartestühle. Dazu eine Wand, auf der Nummern hin- und herflackern und Patienten in verschiedenste Räume aufrufen. Mir schwant nichts gutes.

Als erstes gebe ich die Akte ab und warte, damit ich eine Nummer bekomme. Das geht sogar relativ schnell. Und da, meine Nummer leuchtet recht weit oben auf dem großen Bildschirm auf. Welch Freude! Ich komme tatsächlich in kurzer Zeit an die Reihe, in das auf der Leuchtwand stehende Zimmer, zum Arzt. Kurze Untersuchung, zwei Blätter zum Unterschreiben. Bin ich jetzt fertig? Nein, wieder warten, auf das nächste Zimmer.

Die Sekretärin empfiehlt mir, mir einen Kaffee zu holen, es werde dauern. Ca. 1 Stunde. Ich hole mir Kaffee und Sandwhich, denn mittlerweile ist es Mittag, und ich habe Hunger. Ich nutze die Zeit, lese und beantworte auf meinem Telefon E-Mails, telefoniere mit Kollegen, dann sehe ich, dass mein Akku langsam abnimmt. Ich übe mich also in Zurückhaltung und gehe wieder ins Wartezimmer.

Ich bekomme Blut abgenommen, unterschreibe weitere Papiere, muss wieder warten auf das nächste Zimmer. Und dann noch einmal auf das nächste Zimmer.

Und dann fehlen mir wieder Papiere. Die darf ich aber nachreichen und werde um 15.30 endlich entlassen. Ich finde sogar mein Auto wieder und fahre erst einmal nach Hause, duschen. Und dann ins Büro. Die Arbeit hat sich ja in der Zwischenzeit nicht von allein gemacht…

Und nehme eins mit: Es gibt schlimmere Bürokratie als in Deutschland!

2 Gedanken zu “Heute

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