Nacht im Ramadan

Sie reden und essen noch lang in der Nacht. Gerüche nach Grillfleisch wehen gemeinsam mit Wortfetzen durch die warme Sommernacht. Lachen ertönt hier und dort. Ein Kinderfahrrad rollt geräuschvoll über den Schotter. Autotüren klappern. Sind es die Heimkehrer, die ankommen oder jene, die gerade das Fest verlassen.

Müde und trunken vom gemeinsamen Mahl. Die Sommernacht ist noch tief und lang. Wo die einen schon friedlich schlummern, wachen die anderen weiter.

Der Muezzin ruft zum Gebet. Die Moscheen sind voll in diesen Tagen. „Gedenket der Armen und Kranken, der Einsamen und Hilfsbedüftigen“, ermahnt der Iman. Doch wer hört seine Worte in der Nacht? Gebeugt über das zubereitet Festmahl?

Morgen, ja morgen, wenn die Sonner wieder scheint, wenn Hunger und Durst sich in der Hitze des grellen Tages breitmachen, dann vielleicht ja. Und zum nächsten Festmahl wird vielleicht ein fremder Gast geladen. Vielleicht.

Noch mehr zum Ramadan hier:

Fastenbrechen

Ramadan 2004 und Ramadan 2006

Feierabend und Guten Morgen!

Die Stille am frühen Morgen

Kann man Stille mit Worten beschreiben? Oder stört nicht schon jedes Wort eben diese Stille? Was bedeutet sie überhaupt, die Stille? Ist es die Abwesenheit von Tönen, von jeglichem Geräusch? Oder ist sie nicht vielmehr die Ruhe, die es uns erst ermöglicht zu hören und zu sehen, von sonst überdeckt wird von Lärm und Unruhe des Alltags?

Noch schlafen die Autos in Jerusalem. Leere Straßen warten auf die Fülle der Menschen, die in ihren Betten den Rausch des gestrigen Festes ausschlafen. Das Feuerwerk ist verklungen, der Rauch hat sich verzogen. Doch die Party ruht nur, wartet auf den Moment, von neuem zu beginnen. Bald schon stehen die Grills bereit, bald schon füllen sich Parks und Gärten wieder mit der lärmenden Meute, und die Stadt wird sich in ein Barbecue verwandeln.

Doch hier draußen, auf dem Weg in die Stadt, hat Stille sich breit gemacht – noch. Es ist keine absolute Stille, sondern die, die in Abwesenheit der Geschäftigkeit der Menge entsteht. Jerusalem erwacht an diesem Morgen, dem 68. Geburtstag Israels, schweigend. Wie schön ist der frühe Tag, erfüllt nur vom Rascheln des Windes in den Bäumen und dem Singen der Vögel.
Eine milde Luft weht durch die leeren Straßen. Frühsommerlich frisch, mit der Andeutung der sich anbahnenden Wärme. Das warme Sonnenlicht legt sich golden über die Häuserdächer, ohne die kühlen Schatten zu vertreiben. Die Fester und Türen der Häuser sind geschlossen, die Stadt wiegt sich in friedlichem Schlaf.

Wie gern würde ich diesen Moment festhalten, in meinen Ohren, in meinen Augen, in meinem Herzen. So still, so ruhig, so friedlich kommt Jerusalem daher heute früh. Golden, sanft, umgeben von der Melodie eines späten Frühlingstages. Von Frieden…

Wie kann ich ihn halten, diesen Frieden, der doch nur für einen Moment existiert? In meinen Worten wird er klein, unvollkommen. Und doch, wird so ein Moment – ein bisschen – zur Ewigkeit.

Mein Herz weint

Mein Herz weint
Und die Tränen rinnen tief
In mein innerstes Sein

Still fließen die Tränen
In langen Reihen
Und werden zu runden Tropfen

Gläsernen Murmeln gleich
Doch ohne Farbe, noch Ton
Tropfen an Tropfen

Und während das Land still steht
Wird der Hass hinweggespült
Und die Seele weicht auf

Und läßt das Licht herein.

Why I decided to stand up at memorial day today

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Today, it is the Israeli memorial day for the fallen soldiers and the victims of terror. And at the same time it is the eve of the Israeli independence day.

A time of joy for so many, and at the same time of grief for so many others. While  Israel is remembering their fallen and in the evening will join the joy over independence, over finally having a safe space after hundreds and even thousands of years of persecution and discrimination, it is easily forgotten that for the Palestinians, this week is a special week of grief. Not only do they also remember their victims of this terrible ongoing conflict but also the „Naqba“ – the „catastrophe“, as they call the establishment of the state of Israel on their homeland.

True is the word „One man`s meat is another man`s poison“ ….

It is hard to judge those who celebrate as well as it is hard to judge those who sit in grief…

And for me, the wife of a Palestinian Israeli, these days are always a dilemma: When time comes and the sirens sound all over the country in remembrance of the fallen soldiers, Israel stands still. Cars and people stop in the street, a moment of silence is taking over the country. But also behind closed doors, Israelis stand up in honor for their soldiers … I cannot stand up in honor of the soldiers of Israel – not in an environment which is politically used at cementing the idea of „Us“ versus „Them“, cause where do I belong? Where does my husband belong and my child? My lovely daughter who has Israeli citizenship but carries with her the history of the Palestinian people? No, we are not „Us“ against „Them“. I refuse to take sides in this matter, especially in days like those Israel is celebrating right now….

But there is a way out of the dilemma: Thousands of people, Israelis and Palestinians show that it is possible. Every year since 11 years now, they come together on the eve of memorial day to remember together, to share their pain, their loss, their grief. And by doing this together, sharing their tears, standing together side by side, they proof, year after year, that there is another way. And although the lost ones are lost and cannot come back, although the grief and sorrow will last, hope is arising from exactly this grief. Peace is possible if we only accept the sadness of one another and then there is no „Us“ against „Them“ anymore. There is only „Us“, together we stand for a better future, together we stand up for peace to come.

And so, this year, I decided, that when the sirens sound in the country, I will stand up, in remembrance of those who have died in this terrible, sad conflict – Israelis and Palestinians alike -, but also with the hope that together, we can change the fate of those who are still alive, for that no more blood shall be spilled…

 

Spaziergang am Shabbat

Heute mal in Bildern, statt Worten – des schönen Wetters wegen…

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Manderinenbaum im Garten (leider zu klein zum essen)

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Der relativ neue „Railway“, der von Malha im Süden bis ins Stadtzentrum führt und dabei auch durch Beit Safafa, fast an unserer Wohnung vorbei. Die Tochter auf dem heissgeliebten Spiderman Fahrrad

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Bodendecker – es blüht schon so schön…

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Auf dem Spielplatz neben dem „Railway“ Weg

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Lesepause im Schatten

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Blühendes Geranium auf dem Heimweg. Riecht nicht nur gut, sondern schmeckt auch hervorragend im Tee – mit leichter Blumennote…

Apfelstrudel vegan

Und hier das erste Rezept zur (orthodoxen) Fastenzeit. Knuspriger Apfelstrudel aus Blätterteig:

Rolle (veganer) Blätterteig auftauen – zum selbermachen war ich zu faul und in zwei große Platten schneiden, ausrollen, einmal zusammenklappen und nochmals auf Blechgröße ausrollen

4 große, saftige Äpfel (ich habe Pink Lady genommen) schälen, in sehr dünne Spalten schneiden und mit etwas Zitronensaft beträufeln

4 EL Zucker und Zimt nach Geschmack auf die Äpfel geben

50gr Mandelblättchen und 50gr Cranberries dazugeben, alles gut mischen

Eine ausgerollte Teigplatte auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen, die Apfelfüllung gleichmäßig verteilen. Einen 1cm langen Rand lassen.

Den Teigrand mit Sojamilch bestreichen.

Die zweite Teigplatte locker in der Mitte falten und mit einem scharfen Messer von der gefalteten Seite an im Abstand von ca. 2cm bis kurz vor Rand einschneiden.

Die Teigplatte vorsichtig wieder aufklappen und auf die erste geben, mit den Fingern rundherum gut verschließen und den überlappenden Teig unter die untere Platte schieben.

Den Strudel mit etwas Sojamilch bestreichen und mit weiteren 50gr Mandelblättchen bestreuen.

Bei 200 Grad für 35 Minuten in den Backhofen schieben.

Mit Puderzucker bestreuen und am besten noch warm essen

Guten Appetit!