Das Leben ist schön

Meistens liegt die Schönheit des Lebens in den kleinen Dingen:

Das Licht der Abendsonne auf den Häuserfronten

Die kleine Hand eines Kindes, die sich nach einem Stein auf dem Gehweg bückt

Ein dreiblättriges Kleeblatt – das beim nächsten Mal vielleicht ein vierblätteriges wird

Kleine, weisse Wolken am Winterhimmel

Ein Sommergewitter, das sich in aller Wucht in der schwülen Hitze entleert

Zugvögel, die gen Süden fliegen und sich im Frühjahr wieder auf den Rückweg machen

Kinderlachen inmitten von Großstadtstress

Zitroneneis an einem heißen Sommertag

Der erste Schnee im Jahr, der alles zudeckt und zur Ruhe bringt

Ein unerwartetes Lächeln,
das Du mir schenkst.

Und ich tanze immer noch

Lang ist der Sommer vergangen
Die Gläser mit Rotwein sind leer
Und die Abendbrise verweht

Wintersturm treibt Regen und Hagel
Kälte liegt über der Stadt
Und alles Bunte vergeht

Die Sonne schläft hinter Wolken
Alles wird dunkel und still
Und der Himmel ist weit und hoch

Doch zwischen Wolken und Stürmen
Warte ich auf den Frühling
Und tanze immer noch

Gesagte Dinge II

Ich sehe Dich im Spiegel
Glänzende Augen,
Rund, groß
Aber kein Lächeln

Die Traurigkeit
Sie steht Dir
Deine Augen leuchten
Auch ohne Lächeln

Dein Herz tut Dir weh
Du sehnst Dich nach Dingen
Die nie wirklich
Gewesen

Und dennoch
Keine Tränen
Nur große, runde Augen
Und ein Glänzen

Hattest Du nicht gesagt
Es ist schön?

Kannst Du die Stille hören?

So, nun ist er vorbei, der höchste jüdische Feiertag, Yom Kippur. Für religiöse Juden ist es ein Tag der Einkehr, des Fastens und des Betens. An Yom Kippur, der nur kurz nach dem jüdischen Neujahrsfest folgt und eng mit dem Jahresbeginn verbunden ist, wird Gott um Vergebung für die Sünden gebeten. Aber auch unsere Mitmenschen werden um Vergebung gebeten für die großen und kleinen Fehltritte ihnen gegenüber.  Und das Verzeihen gehört im ganz persönlichen natürlich auch dazu. Es ist weder einfach, um Verzeihung zu bitten, noch zu verzeihen. Und dennoch gehört es zu den schönsten Dingen in zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn es denn gelingt.

Aber für die Kinder in Israel ist es der Tag des Fahrrads. Auch für meine Kinder. Denn am Yom Kippur halten sich fast alle in Israel an das ungeschriebene Gesetz, kein Auto zu fahren. Und so gehören die Straßen in den Städten und auch dazwischen – ja, sogar die Autobahn – für einen Tag den Fußgängern und Fahrradfahrern. Und so tummeln sich die Kleinen und Großen mit den Fahrrädern auf den Straßen und geniessen die autofreie Zeit. Und ruhigen Gewissens habe auch ich meine Große mit der Kleinen ganz allen auf die Straßen gelassen. Und sie haben es genossen.

Für mich aber ist Yom Kippur neben der religiösen Bedeutung und dem Spass für die Kinder vor allem eins: Ein Tag der Ruhe.

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Kannst Du die Stille hören
in den Straßen meiner Stadt
das Zwitschern der Vögel
das Fallen eines Blatt´s

Kannst Du die Stille hören
die der Wind mit sich bringt
das Lachen des Kindes
das in der Stille singt

Kannst Du die Stille hören
die über den Dächern trohnt
und die plötzlich entstandende Ruhe
die nun in meinem Herzen wohnt …

Ein letzter Tanz

Tausend Sonnen müssen scheinen
Tausend Monde auf- und untergehen
Wellen schlagen unaufhörlich an den Strand

Wolken, die vorüberziehen
Im Wechselspiel der Winde

Tag für Tag verinnt
Wie weißer Sand im Glas

Und wieder dreht sich die Uhr
Stunde um Stunde
Tag für Tag

Bis der Wind sich legt
Und die Sonne Platz macht
Für die Nacht

Und wir zwei
Unter funkelnden Sternen
Ein letztes Mal tanzen
 

Wenn Du mich fragst

Auch schon etwas älter 🙂 

Wenn Du mich fragst
Geh ich mit Dir
Und frage nicht nach richtig oder falsch
Frag nicht nach tiefrem Sinn.

Wenn ich Dich frag
Gehst Du mit mir
Und fragst mich nicht, warum
Fragst nicht, wohin.

Und keine Frage gibt es
Die noch bleibt
Kein andrer Sinn
Der uns in eine andre Richtung treibt.

Wenn Du mich fragst
Ist Liebe einfach da
Wird alles einfach, alles klar
Wenn Du mich fragst.

Jerusalem, 12.05.2014

Frühlingsnacht

Entstanden 2007. Aber wenn wir schon mal beim Thema Sehnsucht sind:

Frühlingsnacht

Sehnsucht, in den grünen Tälern
Bist Du wieder mir erwacht
Schlaflos stehe ich am Fenster
In der lauen Frühlingsnacht

Mit geschloss´nen Augen lausch ich
Blätterrascheln in den Bäumen
Sehne mich nach alten Tagen
Und nach ruhigen, sanften Träumen

Zart streift über meine Schultern
Leis das erste Morgengrauen
Rot erwacht der neue Tag
In den nebelschweren Auen

Meine Augen schließen sich
Müden von den dunklen Stunden
Auch die Sehnsucht geht nun schlafen
Um im Schlummer zu gesunden

Jerusalem, 21.05.2007