Gespenstische Ruhe

herrscht heute rund um die Moscheen Jerusalems. Wo sonst Autos in langen Schlangen und doppelter Reihe stehen, weil die Menschen zum Freitagsgebet in die Moscheen unterwegs sind, sind leere Straßenzüge. Der Muezzin ruft zum Gebet von den vielen Minaretten, aber nicht in die eigene Moschee. Heute wird zum Gebet nach Al Aqsa gerufen. Jeder gläubige Muslim in Jerusalem und darüber hinaus soll zur Al Aqsa Moschee im Herzen der Altstadt von Jerusalem gehen, zum Haral Al Sharif, dem Tempelberg.

Ist das eine Wendepunkt? Bleibt der Protest friedlich, oder erleben wir gleich die Geburt eines neuen gewaltsamen Aufstandes mit? Wird der politische Konflikt nun endgültig ein religiöser?

Hier eine Live Schaltung der israelischen Zeitung Haaretz:

Live vom Tempelberg

Mit mulmigm Gefühl im Bauch warte ich auf das, was da komme …

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(Fast) in eigener Sache

Es ist schon eine Weile her (2013-2014), als ich noch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung gearbeitet und ein tri-laterales Projekt zur Friedenserziehung in Jordanien, Israel und Palästina geleitet habe, da hat uns dankenswerter Weise die norwegische Beraterfirma Human Factors AS kostenfrei ein Tool zur Verfügung gestellt: Diversity Icebreaker.

Dieselbe Firma möchte nun auch anderen Friedensprojekten helfen und sucht dafür noch nach Spendern. Schaut doch einfach mal rein: Trust Building in Palestine and Israel

Hier noch ein Video über unser Projekt auf italienisch.

The Alternative Memorial day

In about 20min from now, an alternative ceremony marking the Israeli memorial day is taking place in Tel Aviv and Beit Jala.

Despite all obstacles, despite all those who tried to prevent this important event, Israelis and Palestinians are getting together to share their pain, to commemorate their loved ones and to build a joint future together.

Come and join us, life at 21h Israeli time:

Buildhopewith.us 

Disturbing the Peace – Trailer

„Nelson Mandela, one man, was able to change the whole country“

Ein Zitat aus dem Dokumentationsfilm „Disturbing the Peace“ über die vor 10 Jahren ins Leben gerufende israelisch-palästinenische Organisation „Combatants for Peace

Und das ist es, was die ca. 600 Mitglieder der Organisation versuchen: Zwei ganze Länder, zerissen im andauernden Nahost-Konflikt, zu ändern….

Auf der Lauer

Der Himmel steht blau
und friedlich da
die Welt so leise und still

Man könnte meinen
bald regne es gar
und würde ruhig und kühl

Doch die Weisen wissen
die Stille trügt
die weiße Wolke am Himmel lügt
die Ruhe ist nicht von Dauer

Es liegen gar friedlich
Wut, Hass und Kummer
einträchtig wartend schon
auf der Lauer.

Es könnte so schön sein …

Montag Morgen, 7.30h in den Straßen von Jerusalem:

Noch ist es ruhig in den Straßen von Jerusalem. Es ist Ende August, und ein angenhmer kühler Wind streift durch die Bäume. Die Morgensonne taucht die Stadt in warm goldenes Licht. Vogelgezwitscher springt von Busch zu Busch.
Die Rasensprenkler lassen das Gras im Bell Park grün duftend scheinen, während sich die Sonne in den feinen Wassertropfen spiegelt.

An der Kreuzung Jaffa Straße / Altstadt fährt gerade die Tram vorbei. Auf der breiten Straße begegnen sich die Menschen aus Jerusalem. Die einen hetzen eilig zur Arbeit, Computertasche unter den Arm geklemmt. Die anderen schlendern gemächlich mit einem Pappbecher Kaffee über die Straße. Frauen mit lässig kurzer Kleidung neben traditionell verschleierten Muslima und jüdisch-orthodoxen Frauen mit Perücke. Ein Priester kommt gerade aus dem New Gate und verschindet im French Hospiz, in dem kranke und alte Juden, Muslime und Christen gemeinsam ihre letzten Tage verbringen.

Sehen sie sich überhaupt? Was ist Begegnung? Hier oder da ein flüchtiger Blick, selten neugierig, öfters zweifelnd, meist vorsichtig. Oder aber – in der Mehrzahl – lieber gar nicht schauen, nicht sehen, nicht wahrnehmen.

Jerusalem, eine Stadt, in der sie sich alle begegnen, ist keine multikulturelle Stadt. Soviel könnten wir voneinander lernen. Soviele religiöse Strömungen, soviele Kulturen, soviele Nationen, auf so engem Raum. Aber die Bürger der Stadt bevorzugen es, unter sich zu bleiben.

Es tut weh, dies zuzugeben, aber Jerusalem ist eine segregierte Stadt. Religiöse und sekuläre Menschen, Muslime, Juden, Christen, Menschen aus Ost und West, in dieser Stadt leben sie alle. Und doch leben sie allein, jeder für sich. Sie begegenen sich nicht, sie sehen sich nicht einmal.

Außer vielleicht ein einem frühen Montag Morgen auf den Straßen zwischen Ost- und West. Und wenn sie nur ganz kurz innehalten, stellen sie vielleicht erstaunt fest, dass auf ihren Kaffeebechern dasselbe Logo prangt.