Die Zeit ist vorbei

Noch blüht die Blume
in voller Pracht
leuchtend
die zarten Blätter

Doch welk zeigt der Rand
schon ein rostiges Braun
vertrocknet
in kleinen Falten

Noch reckt sie
ihren schlanken Hals
stolz
in sommerblaue Himmel

Doch am Horizont
treiben Wolken
langsam
den Herbst vor sich her

Blüh nur,
meine Blume
vergeude die Zeit
es währt nicht mehr lange

Und nun komm,
meine Blume
die Zeit ist vorbei:
Der Abschied ist hier.

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Gespenstische Ruhe

herrscht heute rund um die Moscheen Jerusalems. Wo sonst Autos in langen Schlangen und doppelter Reihe stehen, weil die Menschen zum Freitagsgebet in die Moscheen unterwegs sind, sind leere Straßenzüge. Der Muezzin ruft zum Gebet von den vielen Minaretten, aber nicht in die eigene Moschee. Heute wird zum Gebet nach Al Aqsa gerufen. Jeder gläubige Muslim in Jerusalem und darüber hinaus soll zur Al Aqsa Moschee im Herzen der Altstadt von Jerusalem gehen, zum Haral Al Sharif, dem Tempelberg.

Ist das eine Wendepunkt? Bleibt der Protest friedlich, oder erleben wir gleich die Geburt eines neuen gewaltsamen Aufstandes mit? Wird der politische Konflikt nun endgültig ein religiöser?

Hier eine Live Schaltung der israelischen Zeitung Haaretz:

Live vom Tempelberg

Mit mulmigm Gefühl im Bauch warte ich auf das, was da komme …

Im Takt des Windes

Der Wind streicht so sanft
durch die Bäume
an diesem Abend

In goldenes Licht getaucht
erscheinen selbst die hässlichsten
Häuser schön

Mildes Blau
leuchtet vom Himmel

Die Wasserpfeife blubbert
Und im Takt des Windes
tanzen die Bäume

Grüne Blätter
in der Abendsonne

Palmen und Zitronen
tanzen den Reigen
der nahenden Nacht

Und Ruhe kehrt ein
in der Heiligen Stadt.

Abschiede

Eine Woche der Abschiede geht nun langsam ihrem Ende zu.

Abschied vom ersten Schuljahr: Kaum zu glauben, aber meine kleine Große, erst vor drei Wochen sechs geworden, hat nun schon ihr erstes Jahr in der Schule beendet. Sie hat hart gearbeitet, viel gelernt, ist gereift (ja, man sieht es sogar an den Fotos von vor einem Jahr: Man mag kaum glauben, dass nur ein einziges Jahr dazwischen liegt), aber am wichtigsten: Sie hat viel Spass gehabt und ein neues „Zuhause“ in der Schule gefunden. Und ich bin mir durchaus bewußt, welch Privileg es ist, dass sie auf diese Schule gehen kann.

Abschied vom Kleinkindalter: Der Babyspeck ist weg, die ersten 6 Milchzähne auch.

Abschied von neu gewonnenen Freunden: Der Nachteil einer internationalen Schule liegt immer darin, dass Menschen schneller kommen und gehen, als anderswo. Sind es ungeliebte Menschen, mag es ab und an sogar ganz genehm sein. Sind es aber lieb gewonnene Menschen, so fällt der Abschied schwer. Denen, die aufbrechen zu neuen Ufern und Abenteuern ebenso wie jenen, die zurückbleiben. Bei den Kinder, die aufbrechen, ist es oft die Angst vor dem neuen, unbekannten. Bei den Kindern, die bleiben, ist es die Trauer über die weggehenden Freunde. Wobei ich denke, wir Erwachsenen nehmen es schwerer, als die Kinder. So fragte mich meine Tochter diese Woche: „Mama, wann können wir auch mal umziehen?“ Allerdings schob sie etwas später hinterher: „Aber auf eine andere Schule will ich nicht!“ Ein gutes Zeichen für die Schule!
Ich wusste ja, wie das ist mit dem Kommen und Gehen. Und dennoch: Es sind einige (Eltern) dabei, die mir fehlen werden.

Endgültiger Abschied vom Frühling: Diese Woche hat uns nochmals einen Aufschub gegönnt. Während in Mitteleuropa tropische Temperaturen herrschten, zog bei uns nochmals das angenehme Wetter ein. Mit Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad ließ es sich diese Juniwoche außergewöhnlich gut leben in Jerusalem. Die kühle Luft während der Nächte und am frühen Morgen lud dazu ein, von einem anderen, angenehmen Sommer zu träumen. Aber die Wettervorhersage ist gnadenlos: Am Wochenende steigt die Temparatur auf bis zu 36 Grad in Jerusalem. Der Sommer ist da!

Und damit verabschiede ich mich in ein hoffentlich schönes und erholsames Wochenende!

Anders

Der Tag ist so anders heute.

Der Morgenhimmel ist von einem hellen Blau, wie es sonst nur im Winter vorkommt. hoch oben schweben federleicht kleine, weiße Wolken und ziehen mit dem Wind am Himmelszelt entlang. Die Strasse liegt ruhig ausgebreitet, an den Seiten blühende Büsche. Rote und Gelbe Blüten leuchten in der sanften Morgensonne ebenso auf wie die goldenen Steine der Häuser.

Die mallorquinische Musik von Maria del Mar Bonet passt wunderbar zu dieser Ruhe, die sich auch im Auto zwischen mir und meinen beiden Töchtern ausbreitet. Alles liegt so friedlich vor uns.

Die Luft ist ungewohnt kühl. Die Große hat sogar eine Jacke an heute früh.

Und dann, auf dem Rückweg von der Schule passiert es:

Kleine, zarte Regentropfen hinterlassen Schlammpfützchen auf der verstaubten Windschutzscheibe. Kein Regen, sondern nur gelb-sandige Flecken. Und doch – Es ist alles anders heute früh…

Nacht im Ramadan

Sie reden und essen noch lang in der Nacht. Gerüche nach Grillfleisch wehen gemeinsam mit Wortfetzen durch die warme Sommernacht. Lachen ertönt hier und dort. Ein Kinderfahrrad rollt geräuschvoll über den Schotter. Autotüren klappern. Sind es die Heimkehrer, die ankommen oder jene, die gerade das Fest verlassen.

Müde und trunken vom gemeinsamen Mahl. Die Sommernacht ist noch tief und lang. Wo die einen schon friedlich schlummern, wachen die anderen weiter.

Der Muezzin ruft zum Gebet. Die Moscheen sind voll in diesen Tagen. „Gedenket der Armen und Kranken, der Einsamen und Hilfsbedüftigen“, ermahnt der Iman. Doch wer hört seine Worte in der Nacht? Gebeugt über das zubereitet Festmahl?

Morgen, ja morgen, wenn die Sonner wieder scheint, wenn Hunger und Durst sich in der Hitze des grellen Tages breitmachen, dann vielleicht ja. Und zum nächsten Festmahl wird vielleicht ein fremder Gast geladen. Vielleicht.

Noch mehr zum Ramadan hier:

Fastenbrechen

Ramadan 2004 und Ramadan 2006

Feierabend und Guten Morgen!

(Fast) in eigener Sache

Es ist schon eine Weile her (2013-2014), als ich noch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung gearbeitet und ein tri-laterales Projekt zur Friedenserziehung in Jordanien, Israel und Palästina geleitet habe, da hat uns dankenswerter Weise die norwegische Beraterfirma Human Factors AS kostenfrei ein Tool zur Verfügung gestellt: Diversity Icebreaker.

Dieselbe Firma möchte nun auch anderen Friedensprojekten helfen und sucht dafür noch nach Spendern. Schaut doch einfach mal rein: Trust Building in Palestine and Israel

Hier noch ein Video über unser Projekt auf italienisch.