Abschiede

Eine Woche der Abschiede geht nun langsam ihrem Ende zu.

Abschied vom ersten Schuljahr: Kaum zu glauben, aber meine kleine Große, erst vor drei Wochen sechs geworden, hat nun schon ihr erstes Jahr in der Schule beendet. Sie hat hart gearbeitet, viel gelernt, ist gereift (ja, man sieht es sogar an den Fotos von vor einem Jahr: Man mag kaum glauben, dass nur ein einziges Jahr dazwischen liegt), aber am wichtigsten: Sie hat viel Spass gehabt und ein neues „Zuhause“ in der Schule gefunden. Und ich bin mir durchaus bewußt, welch Privileg es ist, dass sie auf diese Schule gehen kann.

Abschied vom Kleinkindalter: Der Babyspeck ist weg, die ersten 6 Milchzähne auch.

Abschied von neu gewonnenen Freunden: Der Nachteil einer internationalen Schule liegt immer darin, dass Menschen schneller kommen und gehen, als anderswo. Sind es ungeliebte Menschen, mag es ab und an sogar ganz genehm sein. Sind es aber lieb gewonnene Menschen, so fällt der Abschied schwer. Denen, die aufbrechen zu neuen Ufern und Abenteuern ebenso wie jenen, die zurückbleiben. Bei den Kinder, die aufbrechen, ist es oft die Angst vor dem neuen, unbekannten. Bei den Kindern, die bleiben, ist es die Trauer über die weggehenden Freunde. Wobei ich denke, wir Erwachsenen nehmen es schwerer, als die Kinder. So fragte mich meine Tochter diese Woche: „Mama, wann können wir auch mal umziehen?“ Allerdings schob sie etwas später hinterher: „Aber auf eine andere Schule will ich nicht!“ Ein gutes Zeichen für die Schule!
Ich wusste ja, wie das ist mit dem Kommen und Gehen. Und dennoch: Es sind einige (Eltern) dabei, die mir fehlen werden.

Endgültiger Abschied vom Frühling: Diese Woche hat uns nochmals einen Aufschub gegönnt. Während in Mitteleuropa tropische Temperaturen herrschten, zog bei uns nochmals das angenehme Wetter ein. Mit Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad ließ es sich diese Juniwoche außergewöhnlich gut leben in Jerusalem. Die kühle Luft während der Nächte und am frühen Morgen lud dazu ein, von einem anderen, angenehmen Sommer zu träumen. Aber die Wettervorhersage ist gnadenlos: Am Wochenende steigt die Temparatur auf bis zu 36 Grad in Jerusalem. Der Sommer ist da!

Und damit verabschiede ich mich in ein hoffentlich schönes und erholsames Wochenende!

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Anders

Der Tag ist so anders heute.

Der Morgenhimmel ist von einem hellen Blau, wie es sonst nur im Winter vorkommt. hoch oben schweben federleicht kleine, weiße Wolken und ziehen mit dem Wind am Himmelszelt entlang. Die Strasse liegt ruhig ausgebreitet, an den Seiten blühende Büsche. Rote und Gelbe Blüten leuchten in der sanften Morgensonne ebenso auf wie die goldenen Steine der Häuser.

Die mallorquinische Musik von Maria del Mar Bonet passt wunderbar zu dieser Ruhe, die sich auch im Auto zwischen mir und meinen beiden Töchtern ausbreitet. Alles liegt so friedlich vor uns.

Die Luft ist ungewohnt kühl. Die Große hat sogar eine Jacke an heute früh.

Und dann, auf dem Rückweg von der Schule passiert es:

Kleine, zarte Regentropfen hinterlassen Schlammpfützchen auf der verstaubten Windschutzscheibe. Kein Regen, sondern nur gelb-sandige Flecken. Und doch – Es ist alles anders heute früh…

Nacht im Ramadan

Sie reden und essen noch lang in der Nacht. Gerüche nach Grillfleisch wehen gemeinsam mit Wortfetzen durch die warme Sommernacht. Lachen ertönt hier und dort. Ein Kinderfahrrad rollt geräuschvoll über den Schotter. Autotüren klappern. Sind es die Heimkehrer, die ankommen oder jene, die gerade das Fest verlassen.

Müde und trunken vom gemeinsamen Mahl. Die Sommernacht ist noch tief und lang. Wo die einen schon friedlich schlummern, wachen die anderen weiter.

Der Muezzin ruft zum Gebet. Die Moscheen sind voll in diesen Tagen. „Gedenket der Armen und Kranken, der Einsamen und Hilfsbedüftigen“, ermahnt der Iman. Doch wer hört seine Worte in der Nacht? Gebeugt über das zubereitet Festmahl?

Morgen, ja morgen, wenn die Sonner wieder scheint, wenn Hunger und Durst sich in der Hitze des grellen Tages breitmachen, dann vielleicht ja. Und zum nächsten Festmahl wird vielleicht ein fremder Gast geladen. Vielleicht.

Noch mehr zum Ramadan hier:

Fastenbrechen

Ramadan 2004 und Ramadan 2006

Feierabend und Guten Morgen!

Es könnte so schön sein …

Montag Morgen, 7.30h in den Straßen von Jerusalem:

Noch ist es ruhig in den Straßen von Jerusalem. Es ist Ende August, und ein angenhmer kühler Wind streift durch die Bäume. Die Morgensonne taucht die Stadt in warm goldenes Licht. Vogelgezwitscher springt von Busch zu Busch.
Die Rasensprenkler lassen das Gras im Bell Park grün duftend scheinen, während sich die Sonne in den feinen Wassertropfen spiegelt.

An der Kreuzung Jaffa Straße / Altstadt fährt gerade die Tram vorbei. Auf der breiten Straße begegnen sich die Menschen aus Jerusalem. Die einen hetzen eilig zur Arbeit, Computertasche unter den Arm geklemmt. Die anderen schlendern gemächlich mit einem Pappbecher Kaffee über die Straße. Frauen mit lässig kurzer Kleidung neben traditionell verschleierten Muslima und jüdisch-orthodoxen Frauen mit Perücke. Ein Priester kommt gerade aus dem New Gate und verschindet im French Hospiz, in dem kranke und alte Juden, Muslime und Christen gemeinsam ihre letzten Tage verbringen.

Sehen sie sich überhaupt? Was ist Begegnung? Hier oder da ein flüchtiger Blick, selten neugierig, öfters zweifelnd, meist vorsichtig. Oder aber – in der Mehrzahl – lieber gar nicht schauen, nicht sehen, nicht wahrnehmen.

Jerusalem, eine Stadt, in der sie sich alle begegnen, ist keine multikulturelle Stadt. Soviel könnten wir voneinander lernen. Soviele religiöse Strömungen, soviele Kulturen, soviele Nationen, auf so engem Raum. Aber die Bürger der Stadt bevorzugen es, unter sich zu bleiben.

Es tut weh, dies zuzugeben, aber Jerusalem ist eine segregierte Stadt. Religiöse und sekuläre Menschen, Muslime, Juden, Christen, Menschen aus Ost und West, in dieser Stadt leben sie alle. Und doch leben sie allein, jeder für sich. Sie begegenen sich nicht, sie sehen sich nicht einmal.

Außer vielleicht ein einem frühen Montag Morgen auf den Straßen zwischen Ost- und West. Und wenn sie nur ganz kurz innehalten, stellen sie vielleicht erstaunt fest, dass auf ihren Kaffeebechern dasselbe Logo prangt.

Die Stille am frühen Morgen

Kann man Stille mit Worten beschreiben? Oder stört nicht schon jedes Wort eben diese Stille? Was bedeutet sie überhaupt, die Stille? Ist es die Abwesenheit von Tönen, von jeglichem Geräusch? Oder ist sie nicht vielmehr die Ruhe, die es uns erst ermöglicht zu hören und zu sehen, von sonst überdeckt wird von Lärm und Unruhe des Alltags?

Noch schlafen die Autos in Jerusalem. Leere Straßen warten auf die Fülle der Menschen, die in ihren Betten den Rausch des gestrigen Festes ausschlafen. Das Feuerwerk ist verklungen, der Rauch hat sich verzogen. Doch die Party ruht nur, wartet auf den Moment, von neuem zu beginnen. Bald schon stehen die Grills bereit, bald schon füllen sich Parks und Gärten wieder mit der lärmenden Meute, und die Stadt wird sich in ein Barbecue verwandeln.

Doch hier draußen, auf dem Weg in die Stadt, hat Stille sich breit gemacht – noch. Es ist keine absolute Stille, sondern die, die in Abwesenheit der Geschäftigkeit der Menge entsteht. Jerusalem erwacht an diesem Morgen, dem 68. Geburtstag Israels, schweigend. Wie schön ist der frühe Tag, erfüllt nur vom Rascheln des Windes in den Bäumen und dem Singen der Vögel.
Eine milde Luft weht durch die leeren Straßen. Frühsommerlich frisch, mit der Andeutung der sich anbahnenden Wärme. Das warme Sonnenlicht legt sich golden über die Häuserdächer, ohne die kühlen Schatten zu vertreiben. Die Fester und Türen der Häuser sind geschlossen, die Stadt wiegt sich in friedlichem Schlaf.

Wie gern würde ich diesen Moment festhalten, in meinen Ohren, in meinen Augen, in meinem Herzen. So still, so ruhig, so friedlich kommt Jerusalem daher heute früh. Golden, sanft, umgeben von der Melodie eines späten Frühlingstages. Von Frieden…

Wie kann ich ihn halten, diesen Frieden, der doch nur für einen Moment existiert? In meinen Worten wird er klein, unvollkommen. Und doch, wird so ein Moment – ein bisschen – zur Ewigkeit.

Spaziergang am Shabbat

Heute mal in Bildern, statt Worten – des schönen Wetters wegen…

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Manderinenbaum im Garten (leider zu klein zum essen)

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Der relativ neue „Railway“, der von Malha im Süden bis ins Stadtzentrum führt und dabei auch durch Beit Safafa, fast an unserer Wohnung vorbei. Die Tochter auf dem heissgeliebten Spiderman Fahrrad

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Bodendecker – es blüht schon so schön…

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Auf dem Spielplatz neben dem „Railway“ Weg

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Lesepause im Schatten

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Blühendes Geranium auf dem Heimweg. Riecht nicht nur gut, sondern schmeckt auch hervorragend im Tee – mit leichter Blumennote…