Heute war es plötzlich anders

Heute bin ich geflogen. Mal wieder. Wie so oft. Ich fliege gerne. Ich liebe die Geschäftigkeit von Flughäfen. Den Aufbruch der Menschen. Die einen fliegen, um anzukommen. Die anderen fliegen weg. Die einen fliehen, die anderen eilen. Aber immer sind alle in Bewegung. Von einem Ort zum anderen. Und hier, am Flughafen, nach der Passkontrolle, sind wir alle irgendwie im Niemandsland. Ausgecheckt, aber noch nicht wieder eingecheckt. Ein Schwebezustand irgendwie.

Normalerweise gehöre ich zu denen, die fliehen aus diesem Land. Zurück in die Heimat. Weg von dort, wo ich nie wirklich dazugehöre. Wo ich immer im Zwischenland lebe. Nicht in der Fremde, aber auch nicht zu Hause. Willkommen? Vielleicht. Dazugehören? Niemals so ganz.

Und wenn das Flugzeug dann abhebt, langsam die Lichter kleiner werden, und vorn schon der schmale Streifen zwischen Land und Meer erscheint. Wenn das Land immer weiter wegrückt, das Meer immer weiter und blauer und tiefer wird. Dann komme ich der Heimat ein Stück näher. Der Heimat, die längst auch Fremde ist.

Aber heute, heute schaue ich aus dem Fenster hinaus. Schaue, wie die Lichter von Jaffa sich im Meer spiegeln. Und irgendwo in mir drin ist da eine Stimme, die sagt: „Bis bald, Du. Mein Zuhause. Ich komme wieder. Zurück.“

Gesagte Dinge I

Gesagte Dinge I

Hab ich das tatsächlich gesagt zu Dir, Anfang letzter Woche? Als wir da gemeinsam in der Küche standen und über Dinge sprachen, über die wir vielleicht gar nicht hätten sprechen sollen. Über Dich und über mir, aber nicht über uns. Ich in ein Handtuch eingewickelt nach der Dusche. Ein Handtuch, das nach Dir roch. Und jetzt auch nach mir. Nach einer Begegnung am Morgen, so flüchtig, als hätte sie gar nicht stattgefunden.

Wieviele Begegnungen dieser Art in einer Woche verträgt das Herz? Jede einzigartig in sich. Flüchtig und intensiv. Vielleicht für die Ewigkeit. Ich hatte schon fast vergessen, wie sich das anfühlt. Das Streicheln der Haut, der Schlag eines Herzens. Dachte ich.

Werden wir uns etwa fremd mit der Zeit, die vergeht? In der wir uns nicht sehen? Als ich da im Handtuch vor Dir stand, die laute Discomusik Deiner Erinnerungen in der Wohnung, da war nichts fremd. Da war alles so vertraut, als sei es schon immer so gewesen.

Und da habe ich es gesagt. Liebeskummer ist doch auch etwas schönes. Immerhin fühlst Du Dich lebendig, spürst Dich. Die Gefühle, die Dich überrollen. Das ist Leben, Lebendigkeit.

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne, hat Hesse geschrieben. Und ja, das stimmt. Und das wissen wir auch. Aber dennoch, wenn es dann da ist, tut es doch weh. Einfach so. Ich würde jetzt gern wieder in Deiner Küche stehen. Im Handtuch. Oder in Jeans. Und Dir sagen, dass es vielleicht doch nicht so schön ist. Und dann könntest Du mich in den Arm nehmen, vielleicht. Und dann hätte das Ende doch was schönes. Einen Anfang. Vielleicht. Mit Dir.

Aber so ist es nur ein Ende. Nicht mit Dir. Eine andere Begegnung. In derselben Woche. Aber alles bleibt. In mir.

Spirelli mit Babyshrimps in Zitronen-Knoblauch Sauce

Und, was kocht man so mit zwei Kindern, damit es lecker ist und trotzdem irgendwie gesund? Genaus, Nudeln! Und Mama sollen sie natürlich auch schmecken 🙂

Und so gab es Freitag Abend Spirelli Nudeln mit einer cremigen Zitronen-Knoblauch Sauce mit Shrimps, Paprika und – für Mama – mit Kapern ( die die Mädels allerdings wieder rausgepickt haben):

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Ich habe  zunächst zwei Tassen Babyshrimps in gesalzener Butter angebraten, dann zwei kleingehackte Knoblauchzehen dazugegeben. Eine rote Paprika in sehr kleine Stücke geschnitten  und mit in die Pfanne.

Das ganze ca. 5min anbraten (während das Nudelwasser kocht), dann 250ml Kochsahne (gibt es hier mit 10% Fett) dazugegossen, zwei TL Kapern dazugegeben, mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.

So lange auf niedriger Stufe köcheln lassen, bis die Paprika noch gerade knackig ist. Zum Schluss noch die geriebene Schale einer Zitrone dazu.

Und fertig ist das Gericht.

Abend an Sukkot

Es ist Abend geworden an diesem ersten Tag von Sukkot. Schnell senkt sie Dämmerung über die Dächer der Heiligen Stadt. Schon bald wird es dunkel sein.

Stimmen wehen herüber aus den Laubhütten, wo Familien nun bald zu Abend essen werden. Die Luft ist noch warm und weich wie an einem Sommertag. Kaum zu glauben, dass es bereits Mitte Oktober ist. Wo ist der Herbst geblieben in diesem Jahr? 33 Grad hat das Thermometer heute Mittag gezeigt.

Sobald der Feiertag vorbei ist, werden die Autos auf den Straßen wieder mehr werden, die Busse beginnen nun schon bald zu fahren.

Gegenüber fächert ein Mann den Grill an. Es bietet sich ja auch an, bei diesem Wetter. Was mich ein wenig wundert: Er trägt eine Kippa. Müsste er nicht den Shabbat einhalten? Oder hat er den Grill gar nicht entzündet? Ich weiß es nicht, ich kenne ihn ja nicht. Aber interessant ist es trotzdem.

Im schwindenden Licht wird die goldene Stadt grau, Der Ruf des Muezzins klingt vom Tal aus den muslimischen Vierteln herüber. Alle diese Religionen, Feste, Tradition machen sie aus, meine Stadt Jerusalem.

Und in Momenten wie diesem erinnere ich mich daran, dass ich auch dankbar sein kann dafür, dass ich hier lebe(n) (darf).

Kannst Du die Stille hören?

So, nun ist er vorbei, der höchste jüdische Feiertag, Yom Kippur. Für religiöse Juden ist es ein Tag der Einkehr, des Fastens und des Betens. An Yom Kippur, der nur kurz nach dem jüdischen Neujahrsfest folgt und eng mit dem Jahresbeginn verbunden ist, wird Gott um Vergebung für die Sünden gebeten. Aber auch unsere Mitmenschen werden um Vergebung gebeten für die großen und kleinen Fehltritte ihnen gegenüber.  Und das Verzeihen gehört im ganz persönlichen natürlich auch dazu. Es ist weder einfach, um Verzeihung zu bitten, noch zu verzeihen. Und dennoch gehört es zu den schönsten Dingen in zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn es denn gelingt.

Aber für die Kinder in Israel ist es der Tag des Fahrrads. Auch für meine Kinder. Denn am Yom Kippur halten sich fast alle in Israel an das ungeschriebene Gesetz, kein Auto zu fahren. Und so gehören die Straßen in den Städten und auch dazwischen – ja, sogar die Autobahn – für einen Tag den Fußgängern und Fahrradfahrern. Und so tummeln sich die Kleinen und Großen mit den Fahrrädern auf den Straßen und geniessen die autofreie Zeit. Und ruhigen Gewissens habe auch ich meine Große mit der Kleinen ganz allen auf die Straßen gelassen. Und sie haben es genossen.

Für mich aber ist Yom Kippur neben der religiösen Bedeutung und dem Spass für die Kinder vor allem eins: Ein Tag der Ruhe.

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Kannst Du die Stille hören
in den Straßen meiner Stadt
das Zwitschern der Vögel
das Fallen eines Blatt´s

Kannst Du die Stille hören
die der Wind mit sich bringt
das Lachen des Kindes
das in der Stille singt

Kannst Du die Stille hören
die über den Dächern trohnt
und die plötzlich entstandende Ruhe
die nun in meinem Herzen wohnt …

Ein guter Tag

Heute ist ein guter Tag. Die sonst so brennende Sonne versteckt sich die meiste Zeit hinter weißen Wattewolken und schaut immer nur kurz mal wieder hervor. Und es ist so still an diesem Shabbat kurz vor Yom Kippur. Nicht nur fahren kaum Autos auf der Straße unten vorbei. Nein, selbst die Stimmen der Nachbarn sind verklungen.

Dafür zwitschern die Vögel um sehr mehr. Singvögel, Spatzen, und das Summen der kleinen Kolibris, die meine Blumen auf dem Balkon besuchen, schwirren durcheinander. Und dazwischen unbekannte Vogelstimmen, die mal schimpfend, mal werbend auf sich aufmerksam machen.

Langsam macht sich der Herbst bemerkbar. Zwar hat es noch nicht geregnet, aber die Hitze ist weg. Dennoch, es wird noch lange warm genug bleiben, um hier mit kurzen Hosen auf der Dachterasse zu sitzen, zu schreiben, und dabei einen Cappuchino und ein Stück Biskuitrolle zu geniessen, während die Kinder mit ihrem Vater in Tel Aviv im Meer baden.

Es ist beinahe windstill, sehr selten hier oben über den Dächern von Jerusalem. Es ist, alle käme an diesem Tag alles zur Ruhe. Die Menschen, die Natur, das Wetter. Vielleicht umschreibt es das Wort „zauberhaft“ gar nicht mal so schlecht.

Auch ich fühle mich so ruhig und ganz bei mir selbst. Als seien der bewölkte Himmel, die Vogelstimmen, der in einer Ecke schlafende Kater, das goldene Jerusalemer Licht und ich alles miteinanderverbunden. Wenn mich jemand fotografieren würde, würde ich wahrscheinlich an den Rändern einfach so in meine Umgebung übergehen. Ohne Grenzen, ohne Kontrast. Ein schöner Gedanke…

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Und damit wünsche ich Euch allen ein schönes Wochenende aus der Heiligen Stadt!