Ein guter Tag

Heute ist ein guter Tag. Die sonst so brennende Sonne versteckt sich die meiste Zeit hinter weißen Wattewolken und schaut immer nur kurz mal wieder hervor. Und es ist so still an diesem Shabbat kurz vor Yom Kippur. Nicht nur fahren kaum Autos auf der Straße unten vorbei. Nein, selbst die Stimmen der Nachbarn sind verklungen.

Dafür zwitschern die Vögel um sehr mehr. Singvögel, Spatzen, und das Summen der kleinen Kolibris, die meine Blumen auf dem Balkon besuchen, schwirren durcheinander. Und dazwischen unbekannte Vogelstimmen, die mal schimpfend, mal werbend auf sich aufmerksam machen.

Langsam macht sich der Herbst bemerkbar. Zwar hat es noch nicht geregnet, aber die Hitze ist weg. Dennoch, es wird noch lange warm genug bleiben, um hier mit kurzen Hosen auf der Dachterasse zu sitzen, zu schreiben, und dabei einen Cappuchino und ein Stück Biskuitrolle zu geniessen, während die Kinder mit ihrem Vater in Tel Aviv im Meer baden.

Es ist beinahe windstill, sehr selten hier oben über den Dächern von Jerusalem. Es ist, alle käme an diesem Tag alles zur Ruhe. Die Menschen, die Natur, das Wetter. Vielleicht umschreibt es das Wort „zauberhaft“ gar nicht mal so schlecht.

Auch ich fühle mich so ruhig und ganz bei mir selbst. Als seien der bewölkte Himmel, die Vogelstimmen, der in einer Ecke schlafende Kater, das goldene Jerusalemer Licht und ich alles miteinanderverbunden. Wenn mich jemand fotografieren würde, würde ich wahrscheinlich an den Rändern einfach so in meine Umgebung übergehen. Ohne Grenzen, ohne Kontrast. Ein schöner Gedanke…

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Und damit wünsche ich Euch allen ein schönes Wochenende aus der Heiligen Stadt!

12 von 12 – Juli 2019

Ein langer Tag geht soeben zu Ende. Und ich zeige Euch in Bildern, wie dieser Tag heute so gelaufen ist:

Nachdem ich die Kleine im Kindergarten und die Große bei einem Freund abgegeben habe (es sind ja seit Ende Juni bereits Schulferien, und freitags gibt es kein Summercamp, was immer wieder eine Herausforderung ist), komme ich im Büro an und starte den Arbeitstag mit Kaffee aus meiner Lieblingstasse (die mir übrigens meine Mitarbeiterin geschenkt hat mit dem Kommentar: „Für den besten Boss“) und Studentenfutter. Vor mir liegen Abrechnungen, da ist das jetzt genau das richtige…

 

Nach viel Administration und einem kurzen Meeting zwischendurch genehmige ich mir eine Pause und lege für fünf Minuten die Füße hoch, die heute in meinen schicken weißen Sandalen stecken:

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(Leider sieht man auf dem Foto die tollen silbernen Absätze nicht so ganz …)

Während ich im Büro sitze, fragt mich die Mutter eines anderen Kindes, ob ich ihre Tochter wohl nach Hause fahren könne, da es ihr nicht gut gehe. Na klar mache ich das. Wir Mütter müssen uns doch gegenseitig helfen! In den nächsten Stunden wird klar, dass es ihr so richtig schlecht geht. Über 40 Grad Fieber, das nicht runtergehen will. Ich biete ihr also an, die Kleine mit zu mir nach Hause zu nehmen, bis ihr Mann sie abholen kann. Wie gesagt: Solidarität. Zum Glück kann die Große länger bei ihrem Freund bleiben. Passt also alles.

Im Kindergarten angekommen macht die Kleine vor Freude Purzelbäume auf dem Steinfußboden, weil ihre Freundin mit nach Hause kommt (Erstes Playdate ohne Mamis!)

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Und die beiden haben den Nachmittag über sichtlich Spass. Die Wohnung sieht dafür am Ende aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

Ich versuche, dem Chaos Herr zu werden und etwas aufzuräumen, nachdem die Kleine von ihrem Papa abgeholt wurde und meine vor Erschöpfung eingeschlafen ist. Dabei würde ich mich am liebsten selbst hinlegen, so müde bin ich:

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Wegen des Kleinkindbesuch habe ich es heute leider nicht mehr geschafft, frische Blumen zu kaufen. Die Lilien von letztem Freitag hängen traurig vertrocknet in der Vase.

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In der Zwischenzeit bekomme ich einen Anruf, dass die Mutter des Freundes der Großen meine Tochter auch zu uns bringen kann. Yippieh. Ich muss nicht mehr aus dem Haus! Spontan lade ich die beiden ein, zum Abendessen zu bleiben. Ich habe nämlich ganz unkosher Schweinebraten im Ofen. Und der reicht eh für alle.

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Es wird ein wirklich netter Abend für alle – Kids und Mamis gleichermaßen.

Nach dem Abwasch und nachdem die Kinder im Bett sind, fällt mir ein, dass ich dringend noch die Blumen gießen muss, die schon schlapp machen auf dem Balkon, nachdem sie den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt waren. Der Kater freut sich und trinkt direkt aus der Gießkanne mit.

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Und dann setze ich mich schnell an den Computer und schreibe genau diesen Beitrag, während die Heilige Stadt sich schlafen legt – und ich gleich ebenfalls.

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Das Ding mit der Sehnsucht …

Ja, das ist so eine Sache mit der Sehnsucht.

Also, ich mag dieses Gefühl irgendwie. Für mich eins der intensivsten Gefühle überhaupt, das ich direkt physisch spüre.

Am ganzen Körper lässt sie mich spüren, dass ich lebendig bin. Und dann kommen auch die Worte, so einfach, so klar, ohne Arbeit oder Mühe. Nein, sie ist nicht anstrengend, die Sehnsucht, sie macht nicht traurig, sie ist nicht schwer.

Sie tut auch nicht weh, denn sie kann im Gegensatz zur Hoffnung nicht enttäuscht werden.

Sie ist einfach nur da, zieht und zerrt an mir, an meinen Nerven, an meinem Herzen und macht sich in mir breit.

Manchmal kommt sie aus heiterem Himmel, mit einem einigen Knall. Und BOOM, ist sie da, und ich weiß nicht wohin mit ihr, oder mit mir oder mit uns beiden.

Und manchmal kommt sie ganz sacht und still, vorsichtig von der Seite, eingeschlichen, und ich merk es erst kaum.

Aber immer begleitet sich mich, sitzt in irgendeiner Ecke und wartet, bis sie wieder hervor darf.

Manchmal ist es der grüne Wald, das duftende, frisch gemähte Gras, die Vögel in den Bäumen. Sehnsucht nach zu Hause, Sehnsucht nach der vergangenen Kindheit, Sehnsucht nach Geborgenheit, wie nur ein Kind sie spüren kann.

Manchmal ist es der blaue Himmel, Schwalben, die nach Süden ziehen, der Sonnenschein, der die Blätter der Palmen im Garten leuchten lässt. Sehnsucht nach Ruhe, Sehnsucht nach Ferne, Sehnsucht einfach nach dem Sein.

Manchmal ist es ein Lächeln, ein Blick, ein einziges Wort. Sehnsucht nach starken Armen, Sehnsuch nach sich fallen lassen, Sehnsucht nach mehr.

Sehnsucht nach Dir.

12 von 12 – Mai 2019

Endlich habe ich mal wieder daran gedacht und fleißig Fotos gemacht. Nur war ich gestern Abend so durch, dass ich auf dem Sofa eingeschlafen bin. Daher also heute noch meine 12 Bilder vom 12. Mai:

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So früh am Morgen kuschelt sich selbst das Katerchen gemütlich in die Kissen, während ich aufstehe und Frühstück für die Kleine mache.

Nachdem die Kleine gerade noch pünktlich im Kindergarten angekommen ist, hänge ich die Wäsche ab. Denn die „Grosse“ war gestern mit ihrem Papa auf einer Hochzeit und muss sich noch ausschlafen. Gott sei Dank hat sie Sonntags keine Schule. Blumengiessen schaffe ich auch noch, bevor sie verschlafen um die Ecke schaut.

Aber dann geht es schnell nach unten in den Garten, der zu unserem Wohnblock gehört. Denn das Wetter ist phantastisch, und im Freien lassen sich eh viel besser Hausaufgaben machen.

Nach einem Abstecher in der Stadt, wo wir Mitgebsel für die anstehende Geburtstagsparty kaufen, geht es auch schon wieder zum Kindergarten. Dort laufen gerade die Rasensprenkler. Eine willkommene Abkühlung für die Große, die sich lachend dem kalten Nass hingibt.

Während die Große mir ganz lieb ein Bild zum Muttertag zaubert und gleichzeit die Kleine in Schach hält, bereite ich ein Picknick als Abendessen vor.

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Also nochmals runter in den Garten. Diesmal mit Essen statt Hausaufgaben. Macht ja auch viel mehr Spass.

Nach dem Abendessen versuche ich mich an einem Selfie im Spiegel, was mehr schlecht als recht gelingt. Aber ich brauche ja 12 Fotos 🙂

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Und schon verabschiedet sich dieser Sonntag glamourös vom Balkon aus:

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Neuanfang

Draußen ziehen weiße Wolken
Zart am blauen Himmel
Leise singen Vögel
Im Morgenlicht

Die Bäume stehen noch kahl
Doch an grauen Ästen
Wagen sich erste Blüten
– Vorsichtig – in den jungen Tag

Tau perlt von hellem Grün
Und ein Windhauch wispert
Im feuchten Gras:
Es wird wieder Frühling …

Der Himmel über Jerusalem

Der Winterhimmel ist so schön da draußen. Ein sanftes Hellblau ersteckt sich als Kuppel über der Stadt, als wolle der Himmel sie beschützen. Weiße Wolken, zart, wie hingetupft zwischen all dem Blau.

Die Sonne taucht die Häuser in mattes Licht, nicht unbarmherzig und gleißend wie im Sommer, sondern sanft. Streichelnde Sonnenstrahlen auf Häuserwänden und in Gärten.

Vorsichtig scheint das Grün der Bäume und des Grases dem kalten Winterwetter zu trotzen. Die Luft ist fast frostig heute früh. Und doch zwitschern die Vögel, als sei der Frühling schon lange da.

Weiß scheint Jerusalem von hier oben. Die Farbe der Unschuld ruht auf dieser Stadt. Was eine Ironie des Himmels…

Abendgedicht

Am Himmel steht im Silberlicht
Ein blasser Mond in dunkler Nacht
In dessen ruhigem Angesicht
Ein Floetenspieler einsam wacht

Es klingt der Floete suesse Weise
In mondbeschien’nen stillen Waeldern
Im Winde zittern sanft und leise
Die reifen Aehren auf den Feldern

Ein Lufthauch streift verfuehrerisch
Durch’s sommergruene weite Land
Es legt die Welt zum Schlafen sich
Vertrauensvoll in Gottes Hand

(2008)

12 von 12 – Januar 2019

Nun wollte ich immer schon mal mitmachen bei „12 von 12“. Und habe auch fleissig Fotos geschossen. Aber dann sind wir alle nacheinander krank geworden. Und jetzt schaffe ich es endlich, meinen Tag vom 12. Januar (wow, wir sind schon Mitte Januar!) zu veröffentlichen:

Wir fangen morgens mit einem schönen warmen Kakao an, genau das richtige im Jerusalemer Winterwetter

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Nach einem schönen Frühstück packen wir noch schnell ein Geburtstagsgeschenk ein, da die Große schon um 9.30h auf einem Kindergeburtstag eingeladen ist – in der Kletterhalle.

 

Ich fahre mit der Kleinen wieder nach Hause. Die hat heute kein Fieber. Ich hoffe schon, dass alles endlich vorbei ist. Sie war nun lange genug krank. Ich packe sie also in den Kinderwagen und mache mich auf zum Spaziergang.

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Das Wetter ist traumhaft.

Wieder zu Hause will die Kleine unbedingt raus – auf die Terrasse

Am Nachmittag kommt das Fieber wieder. Wir ruhen uns mit jede Menge Büchern aus, in Hebräisch, Englisch und Deutsch

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Die Wohnung wirkt irgendwie seltsam leer ohne den Weihnachtsschmuck. Aber auch schön ordentlich

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Draußen wird es langsam Abend. Der Himmel verspricht auch für morgen Sonnenschein

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Als die Kinder schlafen, komme auch ich langsam zur Ruhe und koche schon mal, passend zum Wetter Grünkohl – und genieße dazu einen schönen Cognac

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Und dann lasse ich den Tag mit einem weiteren Glas und der Musik von Reut Shahar ausklingen

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Das war also mein 12. Januar in Bildern.

Und wer das Projekt nicht kennt, es ist von Caro mit Draußen vom Kännchen

Einmal Amman und zurück…

Ein harter und anstrengender Tag geht zu Ende. Um kurz nach 7 aus dem Haus, Mädels in Schule bzw. Kindergarten abliefern, Weiterfahrt an die Grenze. Um 10h Ankunft in Jordanien am Grenzübergang, Weiterfahrt nach Amman. Von 11 bis 19h Termine, dann zurück zur Grenze.

Unterwegs mussten wir noch anhalten, weil plötzlich ein Autoreifen anfing zu rauchen. Aber dann haben wir es doch noch pünktlich zurück geschafft…

Und nun sitze ich hier an der Grenze und warte darauf, mit dem letzten Minibus zurück nach Israel zu kommen, wo die Kids auf mich warten. Wobei es nach der Passkontrolle auch noch ca. 1h Fahrt sein wird.

Ach, was ist die EU ohne Grenzen doch eine tolle Erfindung! Da wäre ich mit dem eigenen Auto in 1 1/2h von Jerusalem in Amman. so brauche ich mindestens 3 Stunden für eine Strecke – wenn alles gut läuft…

Rückkehr aus der Heimat

Neulich, ich hatte einen Nachflug mit Umbuchung über Zürich, kam ich nach zwei Wochen eines strahlend schönen Herbstes aus Deutschland zurück in die Heilige Stadt. Ach, was taten die zwei Wochen so gut. Weg aus staubig sandiger Luft, weg aus einem viel zu warmen Herbst in ein Novemberdeutschland, das ich so bunt kaum kannte. Frische, klare Luft, Bäume im schönsten Herbstlaub, und über allem strahlend blauer Himmel. Jeder Blick aus dem Fenster war ein Genuß.

Die zwei Wochen gingen so schnell vorüber. Zwei Wochen Arbeit, zwei Wochen Freiheit (die Kinder waren diesmal nicht dabei), zwei Wochen weniger Schlaf denn je, und doch so erholsam. Weihnachtseinkäufe, gutes Essen, jede Menge Wein. Dazu nette Freunde treffen, Familie sehen und eine Stipvisite in der Oper im Theater Koblenz. Ich war so bei mir selbst, wie lange nicht mehr.

Nun also landete ich müde, halb durchwacht, nach einem sehr angenehmen Flug mit Swiss Air am frühen Morgen in Tel Aviv. Die Fahrt im Taxi nach Jerusalem verschlief ich. Erst, als wir die Auffahrt Richtung Stadt nahmen, erwachte ich aus meinem Halbschlaf.

Wie schön die Stadt da vor mir lag, Lichter im neblig dunklen Frühmorgen. Die Sterne noch am blankgeputzen Himmel. Und doch hatte es geregnet in der Nacht. Der Asphalt der Strassen glänzte im Licht der Laternen. Und die Stadt lag so ruhig und still, so friedlich vor uns. Keine Menschenseele auf den Strassen und Wegen. Nur absolute Reglosigkeit. So kam ich an in meinem „Zuhause“, in dem auch zwei kleine Kinderseelen noch friedlich schlummerten. Und kostete ich die letzten Stunden Ruhe noch einmal aus, mit Blick vom Balkon, hoch über der Stadt, auf Lichter, die im nahen Morgen verblassten.