Rabenvogel

Mit lautem Krahkrah
sitzt er  da
schwarzes Gefieder
auf blauem Geländer
Und im Hintergrund
Die Frühlingsblumen
Stolz stößt er
den glänzenden Schnabel
an das verregnete Fenster
Nebel steigt auf
aus den Wiesen
und kargen Bäumen
Und schon dreht er um
langsam und bedächtig
grauschwarze Schwingen
erheben sich in die Luft
Noch einmal dreht er den 
Kopf zu mir
Ein stilles Good-Bye

Ich zünde eine Kerze an

Heut zünd ich eine Kerze an
mit warmem, weichen Licht
es soll Dich leiten in der Nacht
auch wenn es noch so dunkel ist

Erinner Dich, das jede Nacht
und sei sie noch so lang
doch irgendwann zu Ende geht
Und Platz macht für den Tag

Mit dieser einen Kerze hier
ich bitte Dich ganz fest
nimm dieses Licht aus meiner Hand
und gibt es weiter, teile es
Mit jedem, der es braucht

Und zünde weitre Kerzen an
mit warmem weichen Licht
so leuchten wir gemeinsam dann
durch jede dunke Nacht

Das Leben ist schön

Meistens liegt die Schönheit des Lebens in den kleinen Dingen:

Das Licht der Abendsonne auf den Häuserfronten

Die kleine Hand eines Kindes, die sich nach einem Stein auf dem Gehweg bückt

Ein dreiblättriges Kleeblatt – das beim nächsten Mal vielleicht ein vierblätteriges wird

Kleine, weisse Wolken am Winterhimmel

Ein Sommergewitter, das sich in aller Wucht in der schwülen Hitze entleert

Zugvögel, die gen Süden fliegen und sich im Frühjahr wieder auf den Rückweg machen

Kinderlachen inmitten von Großstadtstress

Zitroneneis an einem heißen Sommertag

Der erste Schnee im Jahr, der alles zudeckt und zur Ruhe bringt

Ein unerwartetes Lächeln,
das Du mir schenkst.

Und ich tanze immer noch

Lang ist der Sommer vergangen
Die Gläser mit Rotwein sind leer
Und die Abendbrise verweht

Wintersturm treibt Regen und Hagel
Kälte liegt über der Stadt
Und alles Bunte vergeht

Die Sonne schläft hinter Wolken
Alles wird dunkel und still
Und der Himmel ist weit und hoch

Doch zwischen Wolken und Stürmen
Warte ich auf den Frühling
Und tanze immer noch

Gesagte Dinge II

Ich sehe Dich im Spiegel
Glänzende Augen,
Rund, groß
Aber kein Lächeln

Die Traurigkeit
Sie steht Dir
Deine Augen leuchten
Auch ohne Lächeln

Dein Herz tut Dir weh
Du sehnst Dich nach Dingen
Die nie wirklich
Gewesen

Und dennoch
Keine Tränen
Nur große, runde Augen
Und ein Glänzen

Hattest Du nicht gesagt
Es ist schön?

Ein letzter Tanz

Tausend Sonnen müssen scheinen
Tausend Monde auf- und untergehen
Wellen schlagen unaufhörlich an den Strand

Wolken, die vorüberziehen
Im Wechselspiel der Winde

Tag für Tag verinnt
Wie weißer Sand im Glas

Und wieder dreht sich die Uhr
Stunde um Stunde
Tag für Tag

Bis der Wind sich legt
Und die Sonne Platz macht
Für die Nacht

Und wir zwei
Unter funkelnden Sternen
Ein letztes Mal tanzen
 

Wenn Du mich fragst

Auch schon etwas älter 🙂 

Wenn Du mich fragst
Geh ich mit Dir
Und frage nicht nach richtig oder falsch
Frag nicht nach tiefrem Sinn.

Wenn ich Dich frag
Gehst Du mit mir
Und fragst mich nicht, warum
Fragst nicht, wohin.

Und keine Frage gibt es
Die noch bleibt
Kein andrer Sinn
Der uns in eine andre Richtung treibt.

Wenn Du mich fragst
Ist Liebe einfach da
Wird alles einfach, alles klar
Wenn Du mich fragst.

Jerusalem, 12.05.2014

Frühlingsnacht

Entstanden 2007. Aber wenn wir schon mal beim Thema Sehnsucht sind:

Frühlingsnacht

Sehnsucht, in den grünen Tälern
Bist Du wieder mir erwacht
Schlaflos stehe ich am Fenster
In der lauen Frühlingsnacht

Mit geschloss´nen Augen lausch ich
Blätterrascheln in den Bäumen
Sehne mich nach alten Tagen
Und nach ruhigen, sanften Träumen

Zart streift über meine Schultern
Leis das erste Morgengrauen
Rot erwacht der neue Tag
In den nebelschweren Auen

Meine Augen schließen sich
Müden von den dunklen Stunden
Auch die Sehnsucht geht nun schlafen
Um im Schlummer zu gesunden

Jerusalem, 21.05.2007

Wo bist Du

Wo bist Du, wo bist Du
Wann kommst Du zu mir
Nach all den langen Tagen

Nach all dem Warten
will ich ruhn und Dir
Nur viele schöne Worte sagen

Wenn nächtens alle Stimmen schweigen
Und nichts die Stille unterbricht
Dann lieg ich schlaflos in der Nacht

Ich schau dem dunklen Himmel zu
Und greife nach der Sterne Licht
In langer, ruheloser Wacht

Wo bist Du, wo bist Du
Wann kommst Du zu mir
Wohin nur bist Du entschwunden

Ich warte auf Dich
Ich sehn mich nach Dir
In all den dunklen Stunden

Alle Worte dieser Welt

Alle Worte dieser Welt
Scheinen leer und bedeutungslos
Im Vergleich zu dem, was ich fühle
 

In meinem Innersten verborgen
Schläft die Sehnsucht
Unbeschreibbar, unbesiegt

 
Nicht einmal meine Träume
Können begreifen
Was nicht zu verstehen ist
 

Wie der Klang unsichtbarer Perlen
Die leise in meinem Herzen
Aneinander schlagen

So sanft,
Dass nur Du es hören kannst

 
Das Lächeln in Deinen Augen
Das sich in den meinen spiegelt
Wenn ich schlafe