November

Im November stehn die hohen
Bäume wieder kahl
Durch’s Geäst der Wipfel dringt
Kühl ein letzter Sonnenstrahl.

Lautlos drehn sich graue Blätter
In Novemberreigen
Und im dunklen kühlen Wald
Herrscht ein tiefes Schweigen.

Meine Schritte hallen dumpf
In des Waldes Dunkelheit
Spiegeln Nass und Kälte wieder
Und des Herbstes Einsamkeit.

Die Zeit ist vorbei

Noch blüht die Blume
in voller Pracht
leuchtend
die zarten Blätter

Doch welk zeigt der Rand
schon ein rostiges Braun
vertrocknet
in kleinen Falten

Noch reckt sie
ihren schlanken Hals
stolz
in sommerblaue Himmel

Doch am Horizont
treiben Wolken
langsam
den Herbst vor sich her

Blüh nur,
meine Blume
vergeude die Zeit
es währt nicht mehr lange

Und nun komm,
meine Blume
die Zeit ist vorbei:
Der Abschied ist hier.

Herbst

Nebelschleier steigen
Auf aus Wald und Feld
Flur und Wiesen schweigen
Dunkel wird die Welt.

Stille stehen Bäume
In der kühlen Nacht
Bilderlose Träume
Nur der Uhu wacht.

Regenschwaden wallen
Um verdorrte Weiden
Alte Blätter fallen
Überall ist Scheiden.

Letzte Sommerfrüchte

Sommerfrüchte

So kündigt der Sommer in voller Pracht sein Ende an:
Im Garten stehen Grantapfelbaum und Nektarinen in voller Frucht. Feigen verbreiten ihren süssen Geruch. Die letzten Weintrauben reifen an müden Reben zur Vollendung. Dicke Pflaumen hängen an übervollen Ästen und nähren neben uns auch Vögel und Würmer.

Und während wir die letzten Mangos genießen, werden die Abende frisch, und ein kühler Wind weht verblühten Sommerjasmin über die Straßen.

Guten Morgen!

Ich wuensche allen einen wunderschoenen Morgen. Ich hoffe, Eurer ist genauso schoen, wie unserer:D

Der Himmel ist so blau heute. Nicht so dunkelblau und kraeftig, wie er es im Sommer ist. Er ist vielmehr von einem zarten Blassblau, das nur an wenigen Stellen von weissen Wolken durchbrochen wird. Es hat geregnet ueber Nacht, und alles wirkt wie reingewaschen.
Obwohl ich bei offenem Fenster geschlafen habe, habe ich den Regen nicht bemerkt. Aber als ich vorhin aus dem Haus lief, war der Asphalt dunkel, die Wiesen getraenkt vom Regen. Es ist nahezu windstill. Eine Seltenheit in Jerusalem. Nur ganz sanft schaukeln die Baumkronen in einem Lueftchen, das nicht bis zu mir nach unten reicht, sondern nur in Hoehe der Baeume weht.
Da Id AlFitr (Zuckerfest)ist, sind die Strassen noch fast leer. Nur wenige Maenner haben sich in den Morgenstunden in die Stadt verirrt, in der heute die meisten Geschaefte noch geschlossen sind. Die anderen sind noch zu Hause, wahrscheinlich schlafen sie oder sitzen gerade mit ihren Familien beim Fruehstueck.
Es ist angenehm kuehl draussen, aber nicht kalt. Die Herbstsonne ist noch recht stark und ermoeglicht es mir, weiterhin ohne Jacke zur Arbeit zu gehen. Aber die Hitze des Sommers ist nun endgueltig verschwunden. Die Sonne treibt mir keinen Schweiss mehr auf die Stirn, sondern streichelt mich mit sanft waermenden Strahlen.
Schon bald wird der Regen kalt und heftig werden, und die Strassen werden ueberlaufen von dem vielen Wasser, das vom Himmel fallen wird.
Aber wir haben noch einmal eine Gnadenfrist erhalten und geniessen jeden dieser schoenen Tage.

Ich hoffe, ich kann Euch ein bischen Waerme und Sonne auch dahin schicken, wo es bereits stuermt!

Oh bunter Herbst

Oh bunter Herbst
und Farbenpracht
die durch die Wipfel
aller Baeume lacht.

Noch einmal glueht
mein Herz mir auf
dann nimmt der kuehle
Winter seinen Lauf.

Dann sind die Baeume
leer und kahl
Und Licht und Sonne
werden fahl.

Dann stuermt es
ueber Land und Meer
oh bunter Herbst
ich sehne mich so sehr.

Man konnte den Herbst bereits riechen

Es war ein schoener Spaetsommertag. Draussen zeichneten sich feine weisse Woelkchen am Himmel ab. Und dazwischen immer wieder blau. Und weiter hinten, am Horizont, ging gerade die Sonne in aller Pracht unter. Sie faerbte den Himmel rot, rosa und orange, und schickte ihre letzten Strahlen durch die Wolken, so dass die Haeuserdaecher der Stadt in ein warmes Gold getaucht wurden.
Unten, auf der Strasse lief ein Paerchen Hand in Hand unter den Baeumen entlang. Das Maedchen schien ganz in den Sonnenuntergang versunken und waere fast ueber den Bordstein gestolpert, wenn der Junge sie nicht festgehalten haette. Es duftete nach Jasmin, Geranien und anderen Blueten. Suess und schwer hing ihr Geruch in der Luft und betaeubte die Sinne. Aber etwas anderes begann sich in den Duft des Sommers zu mischen. Eine Art Feuchtigkeit und eine Ahnung von muede gewordenen Blaettern. Es war der Herbst. Heimlich hatte er sich in diesen Tag gestohlen, und nun, im Dunkelwerden, begann er, sich in den Strassen auszubreiten. Er schickte einen kuehlen Wind in die Falten der sommerlichen Kleidung, und das Maedchen froestelte. Sanft strich er ueber das lange, dichte Haar und wehte ihr eine Straene ins Gesicht. Fast geistesabwesend schuettelte sie den Kopf, nicht faehig, eine Hand zu heben, um sich das Haar aus dem Gesicht zu streifen. Fragend schaute der Junge zu seiner Freundin hinueber. Aber er erhielt keine Antwort.
Hastig geworden zog sie nun beinah an ihm, waehrend sie ueber die Strasse eilte. Die Sonne war bereits untergegangen, und einige wenige Strassenlaternen versuchten mit maessigem Erfolg, der Dunkelheit herzuwerden. Hier und dort schickten sie Lichtkegel auf Buergersteig und Strasse und liessen kurz die Kleider und Gesichter der Passanten aufblitzen, bevor sie wieder dem Dunkel preisgegeben wurden. Am Ende der Strasse erschien in freundlichem Licht ein Cafe. Stimmengewirr und Gelaechter drang aus der Tuer und lud das Paerchen ein. Eine Welle wohltuender Waerme schwappte ueber sie, als sie eintraten. Ploetzlich wieder ruhig und ohne Hektik setzte sich das Maedchen auf einen Stuhl an der Bar und begann ein Gespraech mit dem Kellner. Der Junge bestellte sich einen Tee und setzte sich neben das Fenster. Draussen fing der Wind poetzlich an zu heulen und schlug wuetend die Tuer zu. Er fegte ein paar Blaetter von den Baeumen auf die Strasse. Doch niemand beachtete ihn. Da zog der Herbst sich noch ein letztes Mal leise zurueck und hinterliess nur einige abgerissene Blaetter vor einer Cafetuer.

Herbstanfang

Es ist abgekuehlt ueber Nacht. Die drueckende Hitze, die so ganz untypisch fuer den Monat September war und den Temperaturen des Hochsommers in nichts nachstand, ist sich gestern Abend ploetzlich bewusst geworden, dass der Sommer eigentlich schon laengst vorbei ist. Mit Einbruch der Dunkelheit hat ein kuehler Wind den Sommer vertrieben und dem Herbst Tueren und Tore geoeffnet. In einer sternenklaren Nacht haben Sommer und Herbst sich die Hand gegeben und beschlossen, uns nicht weiter zu quaelen. Frische Luft ist durch die Fenster des Hauses gestroemt und hat den Ventilator nutzlos gemacht.
Nun scheint die Sonne von einem Himmel, dessen Blau von weissen Woelkchen durchbrochen wird, die sicher noch keinen Regen bringen werden. Erst an Sukkot taucht in den juedischen Gebeten die Bitte nach Regen wieder auf. Wir haben also noch eine Atempause. Aber diese ist besonders schoen. Spaetsommertage kuendigen sich an. Gemuetliche Nachmittagsspaziergaenge unter milder Sonne und kuehle Abende auf dem Balkon, in Pullover und Decken gehuellt.
Noch einmal blueht der Jasmin und verstroemt seinen suessen Duft verschwenderischer als je zuvor. Noch ist alles grau und sandig, doch schon bald wird sich gruenes Gras aus allen Ecken dem Himmel entgegen strecken.
Und so haelt der Herbst Einzug in Jerusalem