Diese Nacht ist anders …

„Ma Nishtanah baLeila hase“ – „Was ist anders in dieser Nacht?“ ist eine Frage, die Juden auf der ganzen Welt am Pessach Abend stellen. Sie ist Teil des Seder Abends, der normalerweise in großer Runde mit der Familie gefeiert wird.

Dieses hat jedoch hat Israel ein absolutes Ausgehverbot für die Seder-Nacht verhängt. Niemand darf seine Wohnung verlassen. So soll verhindert werden, dass die Menschen sich anstecken.

Auf den ersten Blick trennt es das Volk, das Land, die Familien voneinander. Wo das Miteinander doch gerade an Pessach, am Fest, dass an die Rettung aus der Sklaverei, an die Freiheit erinnern soll. Und die Freiheit, das Haus an diesem Abend zu verlassen, um mit denen zu feiern, die einem am liebsten sind, genau diese Freiheit ist nun weg.

Und doch, heute Abend, um genau 20.30h bin ich mit meinen Töchtern auf den Balkon getreten, wie viele tausende Israelis im ganzen Land auch. Und alle haben sie gemeinsam gesungen: „Ma Nishtanah baLeila hase“. Und es war wunderschön. Ein ganzes Volk, getrennt, und doch zusammen.

Ich wünsche allen meinen jüdischen Freunden ein Frohes Pessach Fest – Nächstes Jahr gemeinsam in Jerusalem!

Draußen vor der Tür

Es ist ganz still da draußen vor der Tür.
Ein dicker Nebel hat sich über die Stadt gelegt
und reicht fast bis zu unseren Fenstern.
Dahinter versinkt alles in weißer Watte.
Leichter Nieselregen läuft an den Fensterscheiben herunter.
Und während auf meinem Balkon Märzenbecher und Alyssum um die Wette blühen und die Wiedergeburt der Frühlings mit intensivem Duft erfüllen,
steht unten vor der Tür das Leben still.

Und ich tanze immer noch

Lang ist der Sommer vergangen
Die Gläser mit Rotwein sind leer
Und die Abendbrise verweht

Wintersturm treibt Regen und Hagel
Kälte liegt über der Stadt
Und alles Bunte vergeht

Die Sonne schläft hinter Wolken
Alles wird dunkel und still
Und der Himmel ist weit und hoch

Doch zwischen Wolken und Stürmen
Warte ich auf den Frühling
Und tanze immer noch

Abend an Sukkot

Es ist Abend geworden an diesem ersten Tag von Sukkot. Schnell senkt sie Dämmerung über die Dächer der Heiligen Stadt. Schon bald wird es dunkel sein.

Stimmen wehen herüber aus den Laubhütten, wo Familien nun bald zu Abend essen werden. Die Luft ist noch warm und weich wie an einem Sommertag. Kaum zu glauben, dass es bereits Mitte Oktober ist. Wo ist der Herbst geblieben in diesem Jahr? 33 Grad hat das Thermometer heute Mittag gezeigt.

Sobald der Feiertag vorbei ist, werden die Autos auf den Straßen wieder mehr werden, die Busse beginnen nun schon bald zu fahren.

Gegenüber fächert ein Mann den Grill an. Es bietet sich ja auch an, bei diesem Wetter. Was mich ein wenig wundert: Er trägt eine Kippa. Müsste er nicht den Shabbat einhalten? Oder hat er den Grill gar nicht entzündet? Ich weiß es nicht, ich kenne ihn ja nicht. Aber interessant ist es trotzdem.

Im schwindenden Licht wird die goldene Stadt grau, Der Ruf des Muezzins klingt vom Tal aus den muslimischen Vierteln herüber. Alle diese Religionen, Feste, Tradition machen sie aus, meine Stadt Jerusalem.

Und in Momenten wie diesem erinnere ich mich daran, dass ich auch dankbar sein kann dafür, dass ich hier lebe(n) (darf).

Kannst Du die Stille hören?

So, nun ist er vorbei, der höchste jüdische Feiertag, Yom Kippur. Für religiöse Juden ist es ein Tag der Einkehr, des Fastens und des Betens. An Yom Kippur, der nur kurz nach dem jüdischen Neujahrsfest folgt und eng mit dem Jahresbeginn verbunden ist, wird Gott um Vergebung für die Sünden gebeten. Aber auch unsere Mitmenschen werden um Vergebung gebeten für die großen und kleinen Fehltritte ihnen gegenüber.  Und das Verzeihen gehört im ganz persönlichen natürlich auch dazu. Es ist weder einfach, um Verzeihung zu bitten, noch zu verzeihen. Und dennoch gehört es zu den schönsten Dingen in zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn es denn gelingt.

Aber für die Kinder in Israel ist es der Tag des Fahrrads. Auch für meine Kinder. Denn am Yom Kippur halten sich fast alle in Israel an das ungeschriebene Gesetz, kein Auto zu fahren. Und so gehören die Straßen in den Städten und auch dazwischen – ja, sogar die Autobahn – für einen Tag den Fußgängern und Fahrradfahrern. Und so tummeln sich die Kleinen und Großen mit den Fahrrädern auf den Straßen und geniessen die autofreie Zeit. Und ruhigen Gewissens habe auch ich meine Große mit der Kleinen ganz allen auf die Straßen gelassen. Und sie haben es genossen.

Für mich aber ist Yom Kippur neben der religiösen Bedeutung und dem Spass für die Kinder vor allem eins: Ein Tag der Ruhe.

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Kannst Du die Stille hören
in den Straßen meiner Stadt
das Zwitschern der Vögel
das Fallen eines Blatt´s

Kannst Du die Stille hören
die der Wind mit sich bringt
das Lachen des Kindes
das in der Stille singt

Kannst Du die Stille hören
die über den Dächern trohnt
und die plötzlich entstandende Ruhe
die nun in meinem Herzen wohnt …

Ein guter Tag

Heute ist ein guter Tag. Die sonst so brennende Sonne versteckt sich die meiste Zeit hinter weißen Wattewolken und schaut immer nur kurz mal wieder hervor. Und es ist so still an diesem Shabbat kurz vor Yom Kippur. Nicht nur fahren kaum Autos auf der Straße unten vorbei. Nein, selbst die Stimmen der Nachbarn sind verklungen.

Dafür zwitschern die Vögel um sehr mehr. Singvögel, Spatzen, und das Summen der kleinen Kolibris, die meine Blumen auf dem Balkon besuchen, schwirren durcheinander. Und dazwischen unbekannte Vogelstimmen, die mal schimpfend, mal werbend auf sich aufmerksam machen.

Langsam macht sich der Herbst bemerkbar. Zwar hat es noch nicht geregnet, aber die Hitze ist weg. Dennoch, es wird noch lange warm genug bleiben, um hier mit kurzen Hosen auf der Dachterasse zu sitzen, zu schreiben, und dabei einen Cappuchino und ein Stück Biskuitrolle zu geniessen, während die Kinder mit ihrem Vater in Tel Aviv im Meer baden.

Es ist beinahe windstill, sehr selten hier oben über den Dächern von Jerusalem. Es ist, alle käme an diesem Tag alles zur Ruhe. Die Menschen, die Natur, das Wetter. Vielleicht umschreibt es das Wort „zauberhaft“ gar nicht mal so schlecht.

Auch ich fühle mich so ruhig und ganz bei mir selbst. Als seien der bewölkte Himmel, die Vogelstimmen, der in einer Ecke schlafende Kater, das goldene Jerusalemer Licht und ich alles miteinanderverbunden. Wenn mich jemand fotografieren würde, würde ich wahrscheinlich an den Rändern einfach so in meine Umgebung übergehen. Ohne Grenzen, ohne Kontrast. Ein schöner Gedanke…

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Und damit wünsche ich Euch allen ein schönes Wochenende aus der Heiligen Stadt!

12 von 12 – Juli 2019

Ein langer Tag geht soeben zu Ende. Und ich zeige Euch in Bildern, wie dieser Tag heute so gelaufen ist:

Nachdem ich die Kleine im Kindergarten und die Große bei einem Freund abgegeben habe (es sind ja seit Ende Juni bereits Schulferien, und freitags gibt es kein Summercamp, was immer wieder eine Herausforderung ist), komme ich im Büro an und starte den Arbeitstag mit Kaffee aus meiner Lieblingstasse (die mir übrigens meine Mitarbeiterin geschenkt hat mit dem Kommentar: „Für den besten Boss“) und Studentenfutter. Vor mir liegen Abrechnungen, da ist das jetzt genau das richtige…

 

Nach viel Administration und einem kurzen Meeting zwischendurch genehmige ich mir eine Pause und lege für fünf Minuten die Füße hoch, die heute in meinen schicken weißen Sandalen stecken:

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(Leider sieht man auf dem Foto die tollen silbernen Absätze nicht so ganz …)

Während ich im Büro sitze, fragt mich die Mutter eines anderen Kindes, ob ich ihre Tochter wohl nach Hause fahren könne, da es ihr nicht gut gehe. Na klar mache ich das. Wir Mütter müssen uns doch gegenseitig helfen! In den nächsten Stunden wird klar, dass es ihr so richtig schlecht geht. Über 40 Grad Fieber, das nicht runtergehen will. Ich biete ihr also an, die Kleine mit zu mir nach Hause zu nehmen, bis ihr Mann sie abholen kann. Wie gesagt: Solidarität. Zum Glück kann die Große länger bei ihrem Freund bleiben. Passt also alles.

Im Kindergarten angekommen macht die Kleine vor Freude Purzelbäume auf dem Steinfußboden, weil ihre Freundin mit nach Hause kommt (Erstes Playdate ohne Mamis!)

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Und die beiden haben den Nachmittag über sichtlich Spass. Die Wohnung sieht dafür am Ende aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

Ich versuche, dem Chaos Herr zu werden und etwas aufzuräumen, nachdem die Kleine von ihrem Papa abgeholt wurde und meine vor Erschöpfung eingeschlafen ist. Dabei würde ich mich am liebsten selbst hinlegen, so müde bin ich:

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Wegen des Kleinkindbesuch habe ich es heute leider nicht mehr geschafft, frische Blumen zu kaufen. Die Lilien von letztem Freitag hängen traurig vertrocknet in der Vase.

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In der Zwischenzeit bekomme ich einen Anruf, dass die Mutter des Freundes der Großen meine Tochter auch zu uns bringen kann. Yippieh. Ich muss nicht mehr aus dem Haus! Spontan lade ich die beiden ein, zum Abendessen zu bleiben. Ich habe nämlich ganz unkosher Schweinebraten im Ofen. Und der reicht eh für alle.

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Es wird ein wirklich netter Abend für alle – Kids und Mamis gleichermaßen.

Nach dem Abwasch und nachdem die Kinder im Bett sind, fällt mir ein, dass ich dringend noch die Blumen gießen muss, die schon schlapp machen auf dem Balkon, nachdem sie den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt waren. Der Kater freut sich und trinkt direkt aus der Gießkanne mit.

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Und dann setze ich mich schnell an den Computer und schreibe genau diesen Beitrag, während die Heilige Stadt sich schlafen legt – und ich gleich ebenfalls.

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Mehr 12 von 12 gibt es bei  Caro mit Draußen nur Kännchen

Frühsommer

So ist er nun denn angekommen
In seiner ganzen heißen Pracht
Und hat aus allen grünen Wiesen
Die Wüste neu hervorgebracht

Und in den Bäumen singen Vögel
von kühleren und ruhigen Tagen
und doch, es stört sie nicht, die Hitze
Sie sind´s gewohnt, sie zu ertragen

Dann aber ruht am frühen Abend
Des Tages vielbeschäft´ge Hast
Und der Jasmin lädt zum Verweilen
Und schenkt mit seinem Duft uns wohlverdiente Rast

So liegen unterm Sternenhimmel
Wir lauschend, riechend, still
Und denken in der lauen Nacht darüber nach,
Was uns der nächste Tag wohl bringen will.