Ein letzter Tanz

Tausend Sonnen müssen scheinen
Tausend Monde auf- und untergehen
Wellen schlagen unaufhörlich an den Strand

Wolken, die vorüberziehen
Im Wechselspiel der Winde

Tag für Tag verinnt
Wie weißer Sand im Glas

Und wieder dreht sich die Uhr
Stunde um Stunde
Tag für Tag

Bis der Wind sich legt
Und die Sonne Platz macht
Für die Nacht

Und wir zwei
Unter funkelnden Sternen
Ein letztes Mal tanzen
 

Frühlingsnacht

Entstanden 2007. Aber wenn wir schon mal beim Thema Sehnsucht sind:

Frühlingsnacht

Sehnsucht, in den grünen Tälern
Bist Du wieder mir erwacht
Schlaflos stehe ich am Fenster
In der lauen Frühlingsnacht

Mit geschloss´nen Augen lausch ich
Blätterrascheln in den Bäumen
Sehne mich nach alten Tagen
Und nach ruhigen, sanften Träumen

Zart streift über meine Schultern
Leis das erste Morgengrauen
Rot erwacht der neue Tag
In den nebelschweren Auen

Meine Augen schließen sich
Müden von den dunklen Stunden
Auch die Sehnsucht geht nun schlafen
Um im Schlummer zu gesunden

Jerusalem, 21.05.2007

Wo bist Du

Wo bist Du, wo bist Du
Wann kommst Du zu mir
Nach all den langen Tagen

Nach all dem Warten
will ich ruhn und Dir
Nur viele schöne Worte sagen

Wenn nächtens alle Stimmen schweigen
Und nichts die Stille unterbricht
Dann lieg ich schlaflos in der Nacht

Ich schau dem dunklen Himmel zu
Und greife nach der Sterne Licht
In langer, ruheloser Wacht

Wo bist Du, wo bist Du
Wann kommst Du zu mir
Wohin nur bist Du entschwunden

Ich warte auf Dich
Ich sehn mich nach Dir
In all den dunklen Stunden

Die Zeit ist vorbei

Noch blüht die Blume
in voller Pracht
leuchtend
die zarten Blätter

Doch welk zeigt der Rand
schon ein rostiges Braun
vertrocknet
in kleinen Falten

Noch reckt sie
ihren schlanken Hals
stolz
in sommerblaue Himmel

Doch am Horizont
treiben Wolken
langsam
den Herbst vor sich her

Blüh nur,
meine Blume
vergeude die Zeit
es währt nicht mehr lange

Und nun komm,
meine Blume
die Zeit ist vorbei:
Der Abschied ist hier.

Herbst

Nebelschleier steigen
Auf aus Wald und Feld
Flur und Wiesen schweigen
Dunkel wird die Welt.

Stille stehen Bäume
In der kühlen Nacht
Bilderlose Träume
Nur der Uhu wacht.

Regenschwaden wallen
Um verdorrte Weiden
Alte Blätter fallen
Überall ist Scheiden.

Am Morgen

Früh am Morgen
höre ich den Vögeln zu
Ohne Publikum singen sie
ihr schönstes Konzert

Still, nicht lautlos
begleitet sie der Wind
und singt in den Bäumen
seine eigene Melodie

Unter weißen Wölkchen
scheint milde – noch –
eine blasse Sonne
und weckt sanft den Tag.

Sommer

Sommer ist es lang geworden
Und das Thermometer steigt
Tag für Tag an allen Orten
Macht sich drückend Hitze breit

Träge schaut so mancher Blicke
Unter müden Lidern her
Selbst der Vögel muntre Flügel
Werden in der Hitze schwer

Blumen senken ihre Köpfe
Durstig nach dem kühlen Nass
Duftend liegen reife Früchte
Klebrig in verdorrtem Gras

Wolkenlos indes der Himmel
Über allem lachend thront:
Auf die Kühlung noch zu warten
Wird im Winter erst entlohnt

Mein Herz weint

Mein Herz weint
Und die Tränen rinnen tief
In mein innerstes Sein

Still fließen die Tränen
In langen Reihen
Und werden zu runden Tropfen

Gläsernen Murmeln gleich
Doch ohne Farbe, noch Ton
Tropfen an Tropfen

Und während das Land still steht
Wird der Hass hinweggespült
Und die Seele weicht auf

Und läßt das Licht herein.

Für einen Augenblick …

Wenn ich in dieser Frühlingsluft auf dem Balkon sitze,
überwältigt vom tiefblauen Himmel
und dem Duft, den die Blüten der Obstbäume verströmen

Wenn ich dem Ruf des Muezzin aus der nahen Moschee lausche
und den Nachbarskindern im Garten
beim Spielen zuschaue

Wenn in den Bäumen die vielen Vögel
von Ast zu Ast fliegen
und ihre Liebeslieder in den frühen Morgen singen

Ja, dann schließe ich Frieden
mit dieser Stadt
– manchmal –

Und für einen Augenblick
kehrt die Liebe zurück
zu Dir

Jerusalem.

Shabbat

Während unten
Am Fusse der Altstadt
Automotoren surrend
Den Shabbat stören,

Ist es hier
Im Schatten der Mauer
Still

Mit blauer Pracht
Wächst der Rosmarin
Im Gras
Bienen summen eifrig
Von Blüte zu Blüte

Und Wind trägt sanft
Den Geruch von Erde
Heran

Frieden liegt in der Luft