Ein letzter Tanz

Tausend Sonnen müssen scheinen
Tausend Monde auf- und untergehen
Wellen schlagen unaufhörlich an den Strand

Wolken, die vorüberziehen
Im Wechselspiel der Winde

Tag für Tag verinnt
Wie weißer Sand im Glas

Und wieder dreht sich die Uhr
Stunde um Stunde
Tag für Tag

Bis der Wind sich legt
Und die Sonne Platz macht
Für die Nacht

Und wir zwei
Unter funkelnden Sternen
Ein letztes Mal tanzen
 

Nachttanz

Ich würde so gerne im Mondlicht
Über eine Waldwiese laufen
Taunasses Gras benetzt meine Füße
Wasserperlen kühlen das erhitzte Gemüt.

Vereinzelt blinkern Sterne
Durch die Wipfel der erhabenen Bäume
Milchiges Licht dringt durch Äste und Blättern
Und Dunkelheit streichelt mein Haar.

Grillen singen ein Liebeslieb
Im Dickicht der Büsche
Glühwürmchen tanzen zur Melodie der Nacht
Leise erhebt sich mein Fuß
Und fordert den Wald zum Tanz.

Unmerklich umschlingen die Strahlen des Mondes
Das zitternde Herz
Sanft weht der Wind durch raschelndes Laub
Und küsst meine Tränen.

Es streckt meine Hand sich eisig
Den Höhen der Bäume entgegen
Ein Flügelflattern durchstößt lautlos die Stille
Und eine Seele breitet ihre Schwingen
Befreit dem Himmel entgegen.

(Jerusalem, 2001)

Des Abends

Des Abends
Wenn sich Dunkelheit
Als Decke
Ueber alle Felder legt

Wenn Sterne Ihr
Am Himmel weit
In dunkel schwarzen
Wolken seht

Des Abends
Wenn der Tag sich neigt
Wenn muede ich
Am traeumen bin

Dann legt die Welt
Sich still bereit
In sanfter Ruh
Zum Schlafe hin.

Sommernacht

Es ist Abend geworden in Jerusalem. Ein leichter Nebelschleier hat sich über die Berge der Stadt gelegt. Kühle, feuchte Luft umgibt mich auf dem Heimweg. Es riecht nach Erde, Jasmin und Rasensprenklern. Die Stadt liegt ruhig und gelassen zu meinen Füßen an diesem Abend, an dem ich auf der Kuppe von French Hill stehe und auf die Lichter der Stadt hinunterschaue. Der heiße Tag ist abgeklungen, nichts erinnert daran, daß Jerusalem sich mitten in der Wüste befindet. Die geliebte Stadt hat sich schlafen gelegt in einer ungewöhlich erholsamen Nacht. Ungewohnte Ruhe umgibt die abendlichen Spaziergänger. Nur der Muezzin ruft von seinem Minarett im Osten der Stadt zum Gebet. Der dunkle Himmel ist klar. Es ist Sommer. Keine Wolke verdeckt dem Mond und das Sternenzelt, das sich über mir wölbt. Ungehindert blinkern tausende Sterne über den Schlafenden. Eine streunende Katze springt aus dem Gebüsch, aufgeschreckt vom Geräusch meiner Schritte. Jerusalem – Stadt des Friedens… an diesem Sommerabend könnte man beinahe daran glauben. Alles ist so still und friedlich, als wäre Jerusalem nur eine Stadt unter vielen. Aber ich weiß es besser. Meine Stadt, die so besonders ist, daß jeder sie nur für sich haben will, wie eine besonders schöne Frau. Tausende sind für sie gestorben, und Tausende sind auch weiterhin bereit, ihr ihr Leben zu Füßen zu legen. Herzen und Seelen sind ihr verfallen. Sie können nicht mit ihr, aber auch nicht ohne sie leben. So viele sind gekommen, Ihre Geheimnisse zu ergründen. Und dennoch ist sie weiterhin geheimnisumwittert. Schätze sollen in ihrer Erde begraben liegen, in ihren Tunneln versteckt. Seite an Seite mit den Knochen von Königen und Heiligen liegen Diebe und Bettler begraben. Blumen aller Arten bedecken die von Blut getränkte Erde und betören durch ihre Schönheit und ihren Duft. Jeder Zentimeter ihres Bodens ist Geschichte. Propheten haben die Wege genommen, die ich heute gehe, haben vielleicht ebenfalls in einer kühlen Sommernacht auf den Hügeln halt gemacht und auf die Heilige Stadt geschaut. In ihrer ganzen Schönheit liegt sie vor mir, präsentiert sich mir jedesmal von neuen, aus einer anderen Sicht. Niemals sollte sie mir zur Gewohnheit werden. Jeden Tag aufs Neue sollte ich sie zu schätzen lernen, ihre Schönheit loben und ihr Respekt zollen.